NATUREPLUS FACHKONFERENZ 2018

Keine zukunftsfähigen Gebäude ohne zukunftsfähige Produkte – die Rolle von natureplus® in der Gebäudezertifizierung und Wohnbauförderung

 

Die natureplus-Fachtagung am 5.6.2018 in Volketswil in der Schweiz, rückte die Rolle von  natureplus in europaweiten Zertifizierungs- und Fördersystemen in den Fokus. 

Der Gastgeber natureplus und der natureplus Landesverband Schweiz, welcher durch den Verein Baubioswiss  repräsentiert wird, sowie die Firma KEIMFARBEN AG Schweiz als Sponsor konnten rund 50 Teilnehmerinnen  und Teilnehmer in der Bauarena in Volketswil begrüßen. 

Die Fachtagung startete mit einem Vortrag von Jörg Watter von Baubioswiss, welcher den Stand der Planung  für die Ausstellung und das Nachhaltigkeitszentrum AIFORIA in der Bauarena vorstellte, dem Ort, an dem die  Fachkonferenz stattfand. In der Aiforia steht ein Informations- und Erlebniskonzept vor der Realisierung, das  diesen Ort in der Nähe von Zürich zu einem europaweit interessanten Zentrum für nachhaltiges Bauen machen  soll. Das Konzept wendet sich sowohl an Bauherren und Schulkinder als auch an Architekten und Handwerker  mit seinen zahlreichen Fortbildungsangeboten. Eine eindrucksvolle Zahl von Verbänden und Organisationen,  unter anderem auch natureplus, unterstützt dieses Vorhaben der gemeinnützigen Stiftung AIFORIA, das bereits  in naher Zukunft auf anderen Kontinenten in ähnlicher Form realisiert werden soll. 

In den folgenden Fachvorträgen beschäftigten sich die Referentinnen und Referenten mit der Frage, welche  Rolle das natureplus Label im Rahmen der aktuellen europäischen Gebäudezertifizierungen und den  bestehenden Fördermöglichkeiten für nachhaltige Baustoffe spielt. 

Christian Stünzi, Leiter Zertifizierung von Minergie Schweiz stellte in seinem Vortrag „Wie garantiert Minergie  ECO eine gesunde und ökologische Bauweise“ dar, wie der Komfort von Gebäudenutzern und die  Energieeffizienz der Gebäude im Mittelpunkt der Minergie ECO Zertifizierung stehen. Die Nachweise zur  Zertifizierung gliedern sich in die Bereiche Gesundheit und Bauökologie, wobei im Bereich Bauökologie die  Materialien und Bauprozesse, wie z.B. der Einsatz von Recycling Baustoffen, gelabelte Produkte oder  Bodenschutz, verankert sind. Bauprodukte werden auf Grundlage der Methodik eco-bau (inkl. Ausschluss- kriterien von Minergie-Eco) untersucht und mit den Bewertungsklassen "eco-1", "eco-2" und "basis" bewertet.  Innerhalb dieser Bewertungsklassen ist natureplus in einigen Produktkategorien (z.B. NI5.040 Bauproduktelabel  Farben und Lacke) bereits als Nachweis zugelassen. 

Anna Braune, Leiterin der Forschung und Entwicklung bei der DGNB, gab einen Überblick über das DGNB  System Version 2018 und stellte heraus, dass es der DGNB bei der Zertifizierung darum geht, eine ganzheitliche  Qualität umzusetzen - das DGNB System soll als Motivation und Planungstool dienen, um nachweislich bessere  Gebäude zu bauen und zu betreiben. Nachhaltigkeit soll als integraler Bestandteil bei jedem Bauprojekt  verstanden werden. Bezugnehmend auf den Vortragstitel „Nachhaltige Bauprodukte? Impulse der DGNB für  Hersteller und Politik“ machte sie deutlich, dass Bauprodukte, um die geforderten Nachhaltigkeitsziele im  Gebäude zu erreichen, eine wesentliche Rolle spielen. Durch Umweltwirkungen wie Schadstoffemission oder  Energieverbrauch bei Herstellung, Betrieb oder Rückbau, Lebenszykluskosten und Auswirkungen auf den  Nutzerkomfort tragen diese maßgeblich zur Gesamtperformance eines Gebäudes bei. Um den Planern und  Kunden Orientierung unter den bestehenden Baustofflabels im Rahmen der Zertifizierung bei der DGNB zu  geben, hat diese das Verfahren zur Anerkennung von Produktlabels entwickelt. Es gilt in den Kriterien Risiken  für die lokale Umwelt (ENV 1.2), Verantwortungsbewusste Ressourcengewinnung (ENV 1.3) und Rückbau- und  Recyclingfreundlichkeit (TEC 1.6). Standardgebende Organisationen und deren Labels können eine  Anerkennung von DGNB erhalten, wenn formelle und inhaltliche Übereinstimmung zwischen ihren  Vergabegrundlagen und DGNB Kriterien-Inhalten bestätigt werden. natureplus befindet sich gerade in diesem  Anerkennungsprozess durch die DGNB. 

Henning Bloech, welcher die German Green Building Association GGBA mit dem Vortrag „Welche Qualitäten  fordert LEED von den verwendeten Bauprodukten und wie kann natureplus dabei als Nachweis dienen?“  vertrat, hob die Unterschiede und Übereinstimmungen des ursprünglich aus den USA stammenden LEED  Systems und der in Europa gebräuchlichen Zertifizierungssysteme hervor. In der LEED Zertifizierung, spielen im  Wesentlichen die ökologische und die soziokulturelle Dimension der Nachhaltigkeit eine Rolle. Die Kriterien für eine Bewertung nach dem LEED-System unterteilen sich in fünf Hauptkategorien und zwei Bonuskategorien:  Sustainable Sites (Nachhaltige Baugelände), Water Efficency (Effiziente Wassernutzung), Energy & Atmosphere  (Energie und Atmosphäre), Material & Resources (Materialien und Ressourcen), Indoor Environmental Quality  (Komfort und Innenraumklima) sowie Innovation und Regional Priority (Regionale Schwerpunkte, nur USA). Die  Kategorie „Material & Resources“ mit seinen Anforderungen an geringen Ressourcenverbrauch und eine  möglichst hohe Wiederverwertungsrate der genutzten Baustoffe und der gefertigten Bauteile sowie die  Kategorie „Indoor Environmental Quality“ bei der das Ziel die Verbesserung der Innenraumluftqualität ist, sind  die Bereiche in denen natureplus als Nachweis der geforderten Kriterien hinzugezogen werden kann. 

Christoph Sutter vom Energieinstitut Vorarlberg legte den Focus seines Vortrages „Nachhaltig Bauen in  Österreich“ auf die Erfolge, Instrumente und Anforderungen nachhaltigen Bauens, welche in Österreich in den  letzten Jahren erzielt wurden. Sein Hauptaugenmerk lag auf den in Österreich durch Kooperationen  entstandenen Plattformen wie z.B. baubook, einer Kooperation vom Energieinstitut Vorarlberg und dem  Österreichischen Institut für Bauen und Ökologie mit weiteren Partnern (wie z.B. natureplus) oder den  ÖkoBauKriterien, der Kooperation von ÖkoKauf Wien und Umweltverband Vorarlberg mit weiteren Partnern. 

Die Internetplattform baubook ist eine umfassende Info- und Datenbank für ökologisches Bauen. Sie bietet  gesundheits-, schadstoff-, energie- und umweltrelevante Informationen zu Bauprodukten und dient zur  vereinfachten Nachweisführung bei Förderabwicklungen und öffentlichen Ausschreibungen in Österreich.  Neben der gemeinsamen Datenbank mit zentraler Produktdeklaration bietet baubook regionale und  zielgruppenspezifische Plattformen sowie Verbindungen zu Berechnungsprogrammen für Energie- und  Ökologiekennzahlen. Bei der Eintragung von Produkten auf baubook sind die Nachweise zu ökologischen  Kriterien, bauphysikalischen und -ökologischen Kennwerten sowie produktgruppenabhängigen Eigenschaften  vom Hersteller zu erbringen, welche dann von baubook auf Konformität geprüft werden. natureplus ist als  Nachweis der geforderten Kriterien auf baubook in vielen Bereichen zugelassen. 

ÖkoKauf Wien gehört mit zu den bekanntesten und ältesten Initiativen zur Förderung der ökologischen  öffentlichen Beschaffung in Österreich. Die Stadt Wien erarbeitet im Rahmen von „ÖkoKauf Wien“ ökologische  Kriterien für die einzelnen Beschaffungsgruppen, die von den Beschaffungsverantwortlichen der Stadt Wien  berücksichtigt werden müssen. Die dort zugrunde gelegten Kriterien für nachhaltige Baustoffe bei Neubau und  Sanierung von öffentlichen Gebäuden werden von natureplus zertifizierten Baustoffen in einigen  Produktgruppen ebenso erfüllt wie die auf Gebäude- und Produktebene im Kommunalen Gebäudeausweis in  Vorarlberg und bei Klimaaktiv gestellten Anforderungen an Baustoffe, welche immerhin 15% der Gewichtung  der Bewertungskriterien ausmachen. 

Der Vortrag von Nicolas Besser, Projektmanager Energie und Klimaschutz der Deutschen Umwelthilfe e.V.  beschäftigte sich mit der Frage: „Wie können wir in Deutschland durch eine stärkere Berücksichtigung von  Materialqualitäten und eine Änderung der Förderpraxis klimagerecht Bauen und Sanieren?“ Die These,  welche Herr Besser herausstellte, lautet: Die für die Herstellung von Bauprodukten benötigte Energie spielt in  Gesetzgebung und öffentlicher Förderung bislang keine Rolle. Die aktuelle Förderung für das KfW-Effizienzhaus  steht für einen niedrigen Energiebedarf in der Gebäudenutzung und orientiert sich an den Vorgaben der  Energieeinsparverordnung. Um die Förderung nachhaltiger Baustoffe – in diesem Falle besonders der  Dämmstoffe - voranzutreiben, müssen neue Kriterien und Anforderungen für eine technologieneutrale  Förderung jenseits des U-Wertes für Neubau und Bestandssanierung umgesetzt werden. Der bisherige Fokus  auf Effizienzsteigerungen in der Nutzungsphase ist um den Energiebedarf zur Herstellung der Bauprodukte zu  erweitern. Dabei ist der technologieoffene Förderansatz der KfW zu berücksichtigen. Die Arbeitsgruppe befasst  sich z.Zt. mit den Fragen der zentralen Bewertungskriterien, welche zur Bewertung herangezogen werden  sollen und ob es eine Erweiterung der Fördersystematik mit zusätzlichem Bonus z.B. entsprechend der „KfW  Effizienzhaus Plus“- Systematik geben kann. 

Severin Lenel, Geschäftsführer von INTEP St. Gallen und Leiter der Zertifizierungsstelle MINERGIE-ECO CH  beleuchtete die „Anforderungen an Baustoffe und Bauprodukte in den Instrumenten und Labels zum  nachhaltigen Bauen in der Schweiz“ indem er eine Übersicht der in der Schweiz verbreiteten Label vorstellte.  Neben den europaweit bekannten Zertifizierungssystemen gibt es in der Schweiz die Systeme „Umweltetikette  Stiftung Schweizer Farbe“ und „Herkunftszeichen Schweizer Holz“. Die „Umweltetikette Stiftung Schweizer  Farbe“ klassifiziert Farben, Lacke und Putze nach Umwelt- und Gebrauchsstandards, die gemeinsam mit dem  Bundesamt für Umwelt ausgearbeitet wurden, und welche in das Minergie ECO Programm aufgenommen  wurde. Das „Herkunftszeichen Schweizer Holz“ weist den Schweizer Ursprung nach. Es kommuniziert die mit  der Schweiz positiv verbundenen Werte in den Bereichen Produkteigenschaften, Herstellungsmethoden und  Umwelt. In der Schweiz ist die Materialwahl eines der wichtigsten Themen bei den Nachhaltigkeits-Gebäude-zertifizierungen, allerdings werden die vorhandenen Baustofflabels in der Gebäudezertifizierung nur  zurückhaltend eingesetzt. 

„Gut für Mensch und Natur“ – so beschreibt Susanne Graßl die Firmenphilosophie der Firma Baufritz GmbH in  ihrem Vortrag „Integriertes Nachhaltigkeitskonzept bei Baufritz“. Nachhaltiges Denken und Handeln,  nachhaltig wirtschaften, nachhaltige Produkte, nachhaltiger Arbeitgeber, und nachhaltiges Engagement führen  in ihrer Gesamtheit zum Entschluss, nachhaltige Produkte und Bauteile bei natureplus zertifizieren zu lassen.  Seit 2002 verbindet Baufritz und natureplus eine vertrauensvolle Zusammenarbeit. 2016 entstand die Idee  einer Systemprüfung und Zertifizierung ganzer Bauteile, die im April 2018 durch die erfolgreiche Zertifizierung  von 4 Bauteilen –Außenwand, Zwischenwand, Decke, Dach - bei natureplus mit Erfolg gekrönt wurde. 

Bei den Teilnehmern stießen die Vorträge der renommierten Referenten und die kenntnisreichen Diskussionen  auf großes Interesse. 

Die Vorträge von der Veranstaltung stehen ab sofort hier zum Download bereit. 

 

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