11.03.2015 14:03

AgBB ändert Bewertungen

Kategorie: Bauszene

Der Ausschuss zur gesundheitlichen Bewertung von Bauprodukten hat seine Bewertung verschiedener Ausgasungen chemischer Stoffe geändert.

Das Deutsche Institut für Bautechnik ist die zuständige Behörde für die Zulassung von Bauprodukten in Deutschland. Für eine (wachsende) Reihe von Bauprodukten für den Innenausbau - derzeit handelt es sich vor allem um Bodenbeläge und Wandverkleidungen - schreibt das DIBt eine Untersuchung nach dem Bewertungsschema des Ausschuss zur gesundheitlichen Bewertung von Bauprodukten (AgBB) vor, um die Belastung der Raumluft durch Emissionen aus diesen Produkten zu reduzieren. Dieses Schema sieht Messungen der Emissionen flüchtiger organischer Stoffe (VOC) und die Einhaltung verschiedener stoffspezifischer Grenzwerte (NIK) sowie auch von Summenparametern vor. Zu den einzuhaltenden Summenparametern zählen beispielsweise die TVOC (Grenzwert 1.000 µg/m³) oder auch der R-Wert für unspezifische Belastungen (R = <1). Das natureplus-Qualitätszeichen orientiert sich bei seinen Emissionsmessungen am AgBB-Bewertungsschema, wobei natureplus seine Grenzwerte in der Regel bei ca. 30 % der AgBB-Werte ansetzt (z.B. TVOC Grenzwert 300 µg/m³).

Nun wurde vor ein paar Tagen die neue Fassung 2015 des AgBB-Bewertungsschemas veröffentlicht, die vor allem bezüglich der umstrittenen Chemikalie Formaldehyd einige interessante Neuerungen enthält. So wurden erstmals einige besonders leicht flüchtige organischen Verbindungen (VVOC), zu denen auch Formaldehyd zählt, in das AgBB-Schema aufgenommen und mit einem NIK-Wert versehen. Dementsprechend gehen diese Stoffe in die R-Wert-Berechnung mit ein, werden jedoch nicht dem TVOC zugerechnet. Hiermit reagiert der AgBB auf die zunehmend kritische Bewertung dieser Stoffe. Es handelt sich hierbei um:

o 7-1: Butanal, CAS 123-72-8, NIK 650 µg/m³

o 7-20: Acetaldehyd, CAS 75-07-0, NIK 1.200 µg/m³

o 7-22: Formaldehyd, CAS 50-00-0, NIK 100 µg/m³

o 8-10: Aceton, CAS 67-64-1, NIK 1.200 µg/m³

Außerdem hat sich der AgBB auch speziell zur Einstufung von Formaldehyd geäußert: "Obwohl auch weiterhin Cancerogene der Kategorien 1a und 1b nach Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 nach 3 Tagen nicht mit mehr als 10 µg/m³ sowie nach 28 Tagen nicht mit mehr als 1 µg/m³ emittieren dürfen und Formaldehyd inzwischen als Cancerogen der Kategorie 1b eingestuft wird, fällt Formaldehyd nicht in die Bewertung der Cancerogene. Hier wurde ein NIK-Wert von 100 µg/m³ festgesetzt."

Unter gesundheitlichen Aspekten also aus Sicht des Verbrauchers gute und weniger erfreuliche Nachrichten. Denn die Aufnahme von VVOC in die Baustoffzulassung ist ein Fortschritt, der neue NIK-Wert für Formaldehyd stellt auch eine Verschärfung der bisherigen Regel dar, die allein bei Holzwerkstoffen zur Klassifizierung als "E1" einen Grenzwert von 120 µg/m³ fordert. Diese Regel wird jetzt (leicht verschärft) für alle möglichen Materialien festgeschrieben. Allerdings dürfte sich für die meisten Holzwerkstoffe nichts ändern, weil sie nicht unter die Prüfung nach AgBB-Schema fallen.

Andererseits wird in Fachkreisen schon seit längerem dieser E1-Grenzwert als zu lasch angesehen. Der Blaue Engel fordert aktuell 60 µg/m³ und natureplus hat produktspezifische Grenzwerte zumeist zwischen 24 und 36 µg/m³. Wegen der krebserregenden Wirkung hatte man in der Fachwelt eigentlich eine stärkere Absenkung der Formaldehyd-Grenzen erwartet. "Dieser AgBB-Wert nimmt immer noch zu viel Rücksicht auf die Industrie, wo vor allem bei Holzwerkstoffen immer wieder einmal hohe Formaldehyd-Belastungen nachweisbar sind", meint deshalb natureplus-Geschäftsführer Thomas Schmitz.

Eine andere Änderung des AgBB-Schemas ist vor allem für Fachleute von Interesse. Hier wurde nämlich eine Gruppe von schwer flüchtigen Stoffen (SVOC), die eigentlich zu den Weichmachern zählen, aber ähnliche Eigenschaften wie die VOC-Lösungsmittel haben, neuerdings zu den VOC hinzu gerechnet. Das DIBT gibt dazu bekannt: "Für einige SVOC wurde ein NIK-Wert eingeführt. Dementsprechend gehen diese Stoffe in die R-Wert-Berechnung mit ein. Zusätzlich werden diese Stoffe nicht mehr in den SVOC-Summenparameter addiert, sondern dem TVOC zugerechnet. Es handelt sich hierbei um: o 2-11: Andere gesättigte aliphatische Kohlenwasserstoffe C17 bis C22, NIK 1.000 µg/m³."


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