25.08.2016 15:07

Essigsäure aus Holzwerkstoffen

Kategorie: Von und über natureplus

natureplus passt seine Emissionsanforderungen für Holzfaserplatten an.

Holz ist ein außergewöhnliches Baumaterial. Konstruktionen aus Holz erfüllen alle Anforderungen an ein modernes, sicheres, zukunftweisendes und vor allem nachhaltiges Bauen. Die Förderung des Einsatzes des Holzbaus ist damit ein zentrales Anliegen des natureplus-Vereins.

Allerdings emittieren Holz und Holzwerkstoffe naturgemäß flüchtige organische Verbindungen. Auch diese natürlichen Substanzen können in erhöhten Konzentrationen gesundheitliche Beeinträchtigungen auslösen.

Daher hat natureplus es sich zur Aufgabe gesetzt, emissionsarme Holzwerkstoffe durch die Zertifizierung mit dem natureplus Qualitätszeichen auszuloben. Die strengen Grenzwerte, die hierzu bei natureplus gelten, sind geeignet, auch empfindliche Personenkreise ausreichend zu schützen.

Holzfaserplatten werden von vielen Herstellern in einer sehr guten Qualität angeboten, die geringe Emissionen an flüchtigen organischen Verbindungen aufweisen. Die wesentliche emittierte Substanz stellt hier Essigsäure dar. Essigsäure wird hierbei den Platten nicht zugesetzt, sondern aus holzeigenen Inhaltsstoffen unter Einfluss von Wärme beim Aufschluss der Holzfasern im Produktionsprozess bzw. beim Binden und Pressen der Platten abgespalten und so freigesetzt.

In den letzten Jahren hat natureplus im Rahmen seiner Zertifizierungstätigkeit zahlreiche Untersuchungen an Holzfaserplatten durchgeführt. Etwa 2/3 aller untersuchten Platten hielten die bisherigen strengen Emissionskennwerte ein. Entscheidend war hier zur Bewertung vor allem, dass die Essigsäurekonzentration in der Emissionsprüfung so niedrig war, dass für die Summe der flüchtigen organischen Verbindungen – ermittelt als sogenannter TVOC-Wert (TVOC = „total volatile organic compounds“) – ein Grenzwert von 300 μg/m³ eingehalten wurde.

Allerdings erwies es sich, dass nicht alle Untersuchungen diese Einhaltung dokumentieren konnten. Teilweise wurden Essigsäureemissionen ermittelt, die über 300 μg/m³ lagen und somit zu einer Überschreitung des Grenzwertes für TVOC führten. Hierbei erwies es sich, dass Nachprüfungen des gleichen Produktes des gleichen Herstellers aus einer anderen Produktionscharge die Anforderungen gut erfüllten. In Rücksprache mit den Vertretern der Holzfaserproduzenten wurde deutlich, dass vereinzelt höhere Emissionen an Essigsäure aktuell nicht zu vermeiden sind, da sie vermutlich durch leichte Variationen im Produktionsgeschehen verursacht werden. Aktuell sehen die Hersteller keine Möglichkeit, diese Variationen (die vermutlich vor allem Temperatur und Verweildauer in den Bereichen der Plattenpressung betreffen) vollständig zu kontrollieren.

Einzelstoffbewertung von Essigsäure

Daher hat sich natureplus entschlossen, die Bewertung der Emissionen aus Holzfaserplatten zu verändern. Weiterhin wird ein Summengehalt (TVOC) von 300 μg/m³ als Grenzwert gefordert, jedoch wird Essigsäure in die Berechnung des TVOC nicht mehr einbezogen. Vielmehr wird für Essigsäure eine Einzelstoffbewertung durchgeführt.

In der BRD hat der Ausschuss zur gesundheitlichen Bewertung von Bauprodukten (AgBB) ein Bewertungsschema für die Bewertung von Emissionen aus Bauprodukten erarbeitet. Zur Einzelstoffbewertung werden seitens des AgBB sogenannte NIK-Werte (NIK = Niedrigste Interessierende Konzentration) für Einzelsubstanzen nach toxikologischen Kriterien abgeleitet und in der sogenannten „NIK-Werte-Liste“ zusammengefasst. NIK-Werte sind Konzentrationsniveaus unterhalb derer keine nachteiligen Wirkungen zu befürchten sind. Diese werden im Rahmen der Bewertung von Emissionsprüfungen genutzt. Für Essigsäure wurde ein NIK-Wert von 1.250 μg/m festgelegt.

Auf Basis dieser toxikologischen Bewertung und der Erfahrungen aus den stattgefundenen Prüfungen von Holzfaserplatten legt natureplus einen ergänzenden Grenzwert für Essigsäure von 600 μg/m³ fest. Dieser sichert eine gesundheitliche Unbedenklichkeit der Emissionen von Holzfaserplatten und stellt an Hersteller weiterhin hohe Anforderungen im Hinblick auf die Produktion emissionsarmer Produkte.

Die entsprechend geänderten Vergaberichtlinien werden aktuell auf der Homepage publiziert.

Neubewertung der "biogenen" Emissionen?

Ob diese Sonderregelung für Essigsäure in Holzfaserprodukten ein Vorbote ist für eine generelle Neubewertung der so genannten "biogenen" Emissionen aus Holz durch natureplus ist nach Aussage von natureplus-Geschäftsführer Thomas Schmitz "noch nicht ausgemacht". Derzeit laufen bei der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) zwei Verbundvorhaben, die sich mit dem Einfluss und der Bewertung von Holzemissionen im Innenraum beschäftigen (siehe andere Meldung “Luftqualität im Innenraum”). Dies könnte - so zumindest die Hoffnung der beteiligten Hersteller von Holzwerkstoffen - zu einer anderen Sichtweise auf die natürlichen Holzemissionen führen. "Wissenschaftliche Erkenntnisse aus diesen Forschungen werden sicher in unsere Vergabekriterien einfließen," so Schmitz, "denn wir fühlen uns den nachwachsenden Rohstoffen aus Gründen der Nachhaltigkeit besonders verbunden." Schließlich hat der Deutsche Holzwirtschaftsrat erst unlängst in seiner "Roadmap Holzwirtschaft 2025" angeblich "überzogene Anforderungen an erlaubte Emissionen von Bauprodukten aus Holz in Wohnbereichen" als "Risiko für die Holzwirtschaft" bezeichnet. Das Thema bleibt also spannend.


News

10.10.2017 Charter for Wood

The German Agricultural Ministry's brochure "Charter for Wood 2.0 - Mitigating climate change. Creating value. Utilising resources efficiently." describes the areas of climate action for decision-makers in public authorities, the...[mehr]

[mehr]
Kategorie: Mitglieder und Partner

22.09.2017 Become a member !

Since the statute amendment, individuals can now become members of natureplus e.V too. We’re currently looking for committed fellow contributors.[mehr]

[mehr]
Kategorie: Von und über natureplus
News 1 bis 2 von 453
<< Erste < zurück 1-2 3-4 5-6 7-8 9-10 11-12 13-14 vor > Letzte >>

 

ADVERTISMENT