08.09.2017 16:41

Mehr Sicherheit am Bau?

Category: Bauszene

Das DIBT hat eine neue Verwaltungsvorschrift veröffentlicht, die Emissionsprüfungen für Bauprodukte in Deutschland vorschreiben soll. Dadurch soll eine fehlende EU-Regelung ersetzt werden.

Die Muster-Verwaltungsvorschrift Technische Baubestimmungen (MVV-TB) wurde am 31.08.2017 als Bestandteil der Musterbauordnung (MBO) vom Deutschen Institut für Bautechnik (DIBT) veröffentlicht. Sie erlangt allerdings erst Rechtskraft, wenn sie von den dafür zuständigen Ländern in die Landesbauordnungen übernommen wird. Die MVV-TB (siehe Link am Ende der Seite) enthält in Anlehnung an die Bauprodukten-Verordnung (BauPVO) der EU technische Regeln, die bei der Erfüllung der Grundanforderungen an Bauwerke zu beachten sind, auf den Gebieten

  • Mechanische Festigkeit und Standsicherheit
  • Brandschutz
  • Hygiene, Gesundheit und Umweltschutz
  • Sicherheit und Barrierefreiheit bei der Nutzung
  • Schallschutz
  • Wärmeschutz

Auffällig ist, dass die Gebiete "Energieeinsparung" und "Nachhaltigkeit" im Unterschied zur BauPVO hier nicht adressiert sind. Im Bezug auf den Gesundheits- und Umweltschutz werden die Anforderungen im Anhang 8 "Anforderungen an bauliche Anlagen bezüglich des Gesundheitsschutzes (ABG)" konkretisiert. In diesem Anhang werden die Anforderungen an bauliche Anlagen und insbesondere an Aufenthaltsräume definiert, die sich im wesentlichen aus den gesundheitsrelevanten Eigenschaften der verwendeten Bauteile und Baustoffe ableiten. Hierunter sind vor allem die Emissionen flüchtiger organischer Verbindungen, sowie von Ammoniak und Nitrosaminen, zu verstehen, für die sowohl Summengrenzwerte (z.B.  ein TVOC von 1000 µg/m³) als auch Einzelstoffbewertungen (z.B. Formaldehyd 100 µg/m³) festgelegt sind. Diese Grenzwerte sind dem Bewertungsschema des Ausschusses zur gesundheitlichen Bewertung von Bauprodukten (AgBB) entlehnt, an dem neben dem DIBT und dem Umweltbundesamt auch Fachleute diverser Landesbehörden beteiligt sind.

Sicherheitslücke geschlossen?

Mit dieser Verwaltungsvorschrift will das DIBT erreichen, dass die Sicherheitslücke geschlossen wird, die entstanden ist, nachdem der Europäische Gerichtshof (EuGH) die deutsche Produktüberwachung aus Wettbewerbsgründen für unzulässig erklärt hat, aber andererseits noch immer kein europäisches System zur Deklaration der gesundheitlichen Eigenschaften der Produkte gemäß BauPVO existiert (vergl. die Meldung vom 1. August zur Erklärung des UBA). Allerdings geht aus der MVV-TB nicht eindeutig hervor, ob diese Regeln dann von allen Bauprodukten mit Luft-Kontakt zu Aufenthaltsräumen zu erfüllen sind, oder lediglich von den Produkten, die bis Oktober 2016 einer verbindlichen Überwachung unterlagen, also vor allem von Bodenbelägen und Wandverkleidungen sowie deren Zubehör. Auch bleibt unklar, wie konkret seitens der Hersteller der Nachweis geführt werden soll, da das DIBT mit Blick auf das EuGH-Urteil wohlweislich genauere Ausführungen zu den Produktprüfungen vermieden hat. So bleibt die Erfüllung der Anforderungen vor allem in der Verantwortung der Planer und Bauausführenden, die sich bereits im Vorfeld aus diesem Grund gegen den Entwurf der MVV-TB ausgesprochen haben. Die Realisierung allein auf der Ebene der Bauordnungen der einzelnen Bundesländer schafft auch nicht unbedingt Klarheit und Rechtssicherheit. Und nicht zuletzt steht auch im Raum, dass die EU diese Vorschrift bei entsprechender Klage von Betroffenen als wettbewerbswidrig wieder kassieren könnte.

Holzwirtschaft sieht sich benachteiligt

Eine besondere Problematik treibt die Verbände der Deutschen Holzwirtschaft um. Sie sehen ihren Werkstoff Holz durch die Emissionsprüfungen diskriminiert, weil viele der hier erfassten Ausdünstungen natürlichen Ursprungs sind und in ihrer Toxizität bisher nicht genau erforscht wurden. Sie wenden sich vor allem gegen die Summen-Grenzwerte und hoffen auf europäisch einheitliche Regelungen, die sich wahrscheinlich mehr mit einzelnen bekannten Gefahrstoffen befassen werden. Zudem sehen sie auch die Fortschritte in Gefahr, die bezüglich des Brandschutzes beim Holzbau in verschiedenen Landesbauordnungen bereits realisiert wurden und die aus ihrer Sicht durch die MVV-TB partiell wieder zurückgenommen werden.

In dieser unübersichtlichen Situation rät natureplus den betroffenen Herstellern, sich mit Hilfe einer Prüfung durch die anerkannten Label wie natureplus, eco-Institut oder auch Blauer Engel in alle Richtungen abzusichern. Diese garantieren ein hohes Sicherheitsniveau nach allen absehbaren nationalen und EU-weiten Regelungen und können insofern auch für Planer und Bauausführende verlässliche Auswahlkriterien liefern.

Files:
MVV_TB_2017.pdf4.4 M

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