Re!source – Ressourcenwende gefordert

Die Jahreskonferenz der Re!source Stiftung in Berlin forderte eine Ressourcenwende in der Bauwirtschaft. natureplus war dabei.

Angeregte Diskussion auf dem Podium zum Thema wieder- und weiterverwertbare Baustoffe. (c) natureplus

Das öffentliche Interesse an der Jahreskonferenz 2019 der frisch gegründeten Re!source Stiftung zum Thema Ressourcenwende in der Bauwirtschaft war groß. Ein weltweiter Verbrauch von 14 Gigatonnen Ressourcen durch Bautätigkeiten pro Jahr machen den Diskussion- und vor allem Handlungsbedarf deutlich. Intelligenter Ressourceneinsatz - und dazu gehört auch der Einsatz von nachhaltigen und klimaschonenden Materialien - ist auch ein entscheidender Schlüssel für den Klimaschutz. Ein breites Spektrum an Referentinnen und Referenten aus Forschung und (Bau-)Praxis führten auf, dass explizierte Förderung von recyclebaren und nachhaltigen Bauprodukten etwa durch eine Anpassung des Vergaberechts, kommunale Programme, Rückbaupflichten oder modulares und serielles Bauen wichtige Impulse für eine effiziente Ressourcennutzung setzen könnte. Rückbaufähigkeit von Gebäuden und Rezyklierbarkeit von Baumaterialien sind nicht ausreichend in die Breite gebracht. Dr. Manfred Fuchs, der als Vertreter der EU Kommission referierte, führte zudem aus, dass es Initiativen brauche, die europaweit anwendbar und verständlich sind. Das europäische Öko-Label natureplus setzt genau hier an und kann auch mit seinen über 500 zertifizierten Produkten Einiges beitragen. Von natureplus wurde auf der Konferenz auch das Thema Grauer Treibhausgasemissionen aufgegriffen und die Verwendung ressourcensparender und klimagerechter Baumaterialien z.B. aus nachwachsenden Rohstoffen gefordert.

Dr. Klaus Jakob vom Berliner Otto-Suhr-Institut verwies aufProgRess, das deutsche Ressourceneffizienzprogramm des Bundesumweltministeriums. Teil des Programms zur nachhaltigen Nutzung und zum Schutz der natürlichen Ressourcen ist es auch, informationsbasierte Instrumente zu fördern. Einer DENA-Studie zufolge könnten 20 Prozent beim Ressourceneinsatz in Deutschland eingespart werden, das entspricht gleichzeitig einer Einsparung von ca. 100 Mrd. EUR im Jahr. Politisch diskutiert wird auch, eine Steuer auf Ressourcen einzuführen. In anderen Ländern gibt es die bereits. In Dänemark werden 0,67 EUR pro m³ für inländisch abgebaute Rohstoffe fällig.

Anemon Strohmeyer, Geschäftsführerin des Verbands der deutschen Holzwerkstoffindustrie (VHI e.V.),sprach über die Wieder- und Weiterverwertung von Holz und seinen Abfallstoffen in der Holzwerkstoffindustrie. Insgesamt biete Holz viele Möglichkeiten für eine Kreislaufwirtschaft. Sägespäne sind z.B. ein Abfallprodukt, das bereits weiterverwendet bzw. recycelt wird. Altholz findet als Rohstoff beispielsweise bei Spanplatten erneuten Einsatz, in Deutschland mit einem Anteil von 44 und in Italien mit bis zu 90 Prozent. Die stoffliche Verwertung von Holz liege in Deutschland bei ca. 20 Prozent und damit weit hinter der thermischen Verwertung. Hier sollte künftig mehr möglich sein.

Anja Rosen, Architektin und DGNB Auditorin,stellte das Rathaus Korbach mit seinem neuen Anbau als konkretes Bau-Projekt vor. Der bestehende 70er Jahre Betonbau soll durch einen neuen ersetzt werden. Dabei soll die alte Baumasse rezykliert und als Urban-Mining Material im Neubau wiedereingesetzt werden. Sie verwies auf einen Leitfaden zum Einsatz von RC-Beton des Landes Baden-Württemberg, der Architekten und Bauplanern eine gute Orientierung bietet. Kommunen könnten den Einsatz von RC-Beton fordern und damit Nachfrage generieren. Auch der Neubau wird nach dem post-use Prinzip aufgezogen, sodass verwendete Produkte am Lebensende des Gebäudes wieder gehoben werden können.

Prof. Annette Hillebrandt von der Bergischen Universität Wuppertal forderte eine generelle Rückbaupflicht bei Bauprojekten. Dazu sei es aber auch unabdingbar, dass keine giftigen Stoffe eingesetzt werden. Daher sei eine ganzheitliche Kostenbetrachtung beim Bau notwendig.

Prof. Dr. Natalie Eßig von der Hochschule München erforscht die Rückbau- und Demontagefähigkeit von Gebäuden auch anhand von praktischen Untersuchungen. Augenfällig ist, dass Rückbau- und Demontagefähigkeit bei Holz- und Massivbauweise gegenwärtig ähnlich schlecht ist. Urban-Mining ist vor diesem Hintergrund gegenwärtig schwer möglich. Ein Forschungsprojekt zum Rural-Mining umfasst die „Entwicklung eines Leitfadens zum Rückbau und Recycling von Einfamilienhäusern in Holzfertigbauweise“. Der Leitfaden soll Anleitung zum modularen und seriellen Bauen geben.

Prof. Sabine Flamme, von der Fachhochschule Münster beschäftigte sich u.a. mit dem bisher noch unzureichenden Recycling von Gipskartonplatten. Dies sei technisch durchaus möglich, aber gegenwärtig sei der Rohstoff Gips durch das große Aufkommen aus der Rauchgasentschwefelung noch zu billig. Über ein Leasingverfahren könnten Hersteller verpflichtet werden, Gips-Platten im Besitz zu halten und wieder zurückzunehmen.

Rechtsanwalt Michael Halstenberg bemängelt, dass Recycling im Baurecht nicht geregelt ist und erst am Ende im Abfallrecht Erwähnung findet. Hilfreich wäre es, die Recycle-Fähigkeit von Bauprodukten bereits am Anfang der Gebäuderechtskette im Vergaberecht als Verpflichtung einzufügen und nicht nur als optional ergänzbare Empfehlung. Eine gute Regelung brauche allerdings auch geeignetes Verwaltungspersonal zum Vollzug.

Klaus Dosch, Leiter der Factor X Agentur,sprach sich dafür aus, Ressourcenschutz und Klimaschutz zu verquicken und ordnungsrechtlich zu fixieren, also in Anlehnung an die Energieeinsparverordnung EnEV und das geplante Gebäudeenergiegesetz GEG „RessourcenEV“ und „GRessourcenG“ einzuführen.

Weitere Informationen zum Programm mit allen Referentinnen und Referenten der Re!source Konferenz sowie zur neu gegründeten Re!source Stiftung finden sich auf der hier.

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