11 Maßnahmen für klimaverträgliche Gebäude

Das europäische Forschungsinstitut BPIE hat 11 integrierte klimapolitische Maßnahmen formuliert, mit denen eine wirksame CO2-Reduzierung im Gebäudesektor in Deutschland gelingen kann.

Kurz vor der Veröffentlichung des klimapolitischen Maßnahmenpakets der Bundesregierung und dem globalen "Klimastreik" von Fridays for Future am 20. September 2019 hat das Building Performance Institute Europe (BPIE) "11 Punkte für klimafreundliche und zukunftsfähige Gebäude" veröffentlicht. Das BPIE ist ein europäischer gemeinnütziger Think Tank, der mittels unabhängiger Analysen und Datenerhebungen Forschungsbeiträge für einen klimaneutralen Gebäudebestand leistet. Der Hauptsitz ist in Brüssel, das Deutschland-Büro ist in Berlin.

Zur Begründung seiner 11 Maßnahmenvorschläge schreibt das BPIE: "Ein wirksamer Klimaschutz ist nur mit zielgerichteten Aktionen im Gebäudesektor machbar. Die heute gebauten oder renovierten Gebäude, werden voraussichtlich bis zum Jahr 2050 nicht noch einmal umfassend saniert. Verbindliche und ambitionierte Vorgaben sowohl für den Bestand als auch für den Neubau sind notwendig." Dabei ist dem BPIE ein ganzheitlicher Ansatz wichtig: "Maßnahmen und Instrumente müssen langfristig wirksam und verlässlich in der Zielerreichung sein. Hierfür ist ein Gesamtkonzept nötig, welches die vielen bestehenden und neu zu verabschiedenden Maßnahmen miteinander in Zusammenhang bringt."

Integriertes Maßnahmenpaket gefordert

"Bislang gleichen die bekannt gewordenen Ideen der Regierungsparteien für Klimapolitik im Gebäudebereich eher einem losen Zettelkasten", kritisiert natureplus-Geschäftsführer Thomas Schmitz. Notwendig wäre deshalb ein integriertes Maßnahmenpaket, wie es das BPIE erarbeitet hat. Es fordert, die folgenden Anreize zur CO2-Reduzierung im Gebäudesektor in das klimapolitische Maßnahmenpaket der Bundesregierung aufzunehmen:

  1. Sanierungsfahrpläne: Die flächendeckende verbindliche Einführung von maßgeschneiderten Beratungsinstrumenten, wie dem sogenannten individuellen Sanierungsfahrplan, sollte umgehend angegangen werden.
  2. Mehrwertsteuer: Die Reduzierung der Mehrwertsteuer für Baumaterialien und technische Lösungen, die den Energieverbrauch nachweislich verringern, führt zu einer direkten Kostensenkung bei der Renovierung. Langfristig sollte diese Reduktion der Mehrwertsteuer an Baustoffe mit geringem CO2 Ausstoß im gesamten Lebenszyklus und einen Materialausweis gekoppelt sein, um auch die graue Energie bzw. CO2-Speicherfähigkeit von z.B. Holz miteinzubeziehen.
  3. Grundsteuer: Die aktuelle Diskussion über eine Reform der Grundsteuer bietet die einmalige Chance, die Steuerberechnung am CO2- Ausstoß und der Energieeffizienz eines Gebäudes zu orientieren.
  4. Abschreibungen: Mit einer umfassenden steuerlichen Abschreibung von Renovierungsmaßnahmen, die klar definierte Energieeinsparungen erreichen, können Anreize für Vermieter und Selbstnutzer gegeben werden.
  5. Transparenz: Der Energieausweis und die Förderinstrumente sollten um eine CO2-Komponente ergänzt werden, die den gesamten Lebenszyklus des Gebäudes in Betracht zieht.
  6. Renovierungsoffensive: Eine große Anzahl von öffentlichen Gebäuden, die wichtige gesellschaftliche Funktionen erfüllen, wie Krankenhäuser oder Schulen, haben einen dringenden Renovierungsbedarf. In diesen Gebäuden ist ein gesundes Raumklima von besonderer Bedeutung.
  7. Gewerbeimmobilien: Hier soll eine Renovierungspflicht für kommerziell genutzte Gebäude eingeführt werden, die klimaschützende Mindeststandards erfüllen müssen.
  8. Innovationsoffensive: Die umfassende Renovierung des Gebäudebestands ist nur machbar, wenn sich das Qualifikationsniveau und die Produktivität der Bauwirtschaft deutlich verbessern. Dazu gehört z.B. die Förderung einer breiten Markteinführung der seriellen Vorfertigung von großen Bauteilen.
  9. Planung: Klimaschutz im Gebäudesektor bedeutet auch, Gebäude durch integrierte Planung dynamisch in das Energiesystem zu integrieren.
  10. Datenverfügbarkeit: Die bestehenden Energieausweisdaten sollten anonymisiert in einer umfassenden Datenbank über den deutschen Gebäudebestand verfügbar gemacht werden, um ein Monitoringsystem zu ermöglichen.
  11. Raumplanung: Die Stadt- und Raumplanung muss die Reduktion von CO2-Emissionen und die Anpassung an den Klimawandel als Leitprinzip integrieren.

Auch wenn es sicher notwendig bleibt, zwischen kurz-, mittel- und langfristig realisierbaren Maßnahmen zu unterscheiden, so werden sich die Maßnahmen des deutschen "Klimakabinetts" zum Klimaschutz im Gebäudesektor an diesem integrierten Maßnahmenpaket des BPIE messen lassen müssen.
 

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