Bauwende im Bundestag

Bei der Anhörung der Anträge von Grünen und FDP zum Thema "Bauwende" im Bauausschuss des Bundestages zeichnete sich breite Zustimmung der Fachwelt für mehr Klima- und Ressourcenschutz im Baubereich ab.

Der Ausschuss für Bau, Wohnen, Stadtentwicklung und Kommunen des Deutschen Bundestags führte am 3. März 2021 eine öffentliche Anhörung zum Thema „Bauwende“ durch. Gegenstand der Anhörung waren der Antrag der FDP "Nachhaltig bauen - Technologieoffenheit stärken - Bezahlbar wohnen" (BT-Drucksache 19/26178) und der Antrag von BÜNDNIS  90/DIE GRÜNEN "Bauwende einleiten - Für eine ressourcenschonende Bau- und Immobilienwirtschaft" (BT-Drucksache 19/23152). Hierbei zeigte sich eine breite Zustimmung der geladenen Sachverständigen zu den Kernthesen der beiden Anträge ab.

The elephant in the climate room

Insbesondere der bekannte Klimaforscher Prof. John Schellnhuber fand einprägsame Worte für ein von ihm gefordertes "gesellschaftliches Narrativ einer Bauwende". Erst in den letzten Jahren sei ihm bewusst geworden, welch überragende Bedeutung der Bausektor für die Erreichung der Klimaziele habe. Für ihn ist deshalb der Bausektor "the elephant in the climate room". Er betonte dabei die besondere Bedeutung des Holzbaus, in dem sich auf Basis der Digitalisierung von Planung und Vorfertigung "Low-Tech mit High-End verbinden": Würden weltweit in den nächsten 10 Jahren die anstehenden Neubauten für 2 Milliarden Menschen aus Holz gebaut und nicht aus Beton, Stahl und Aluminium, dann könnte man theoretisch ein Drittel des uns insgesamt noch zur Erreichung des 1,5-Grad-Ziels verfügbaren CO2-Ausstoßes vermieden werden. Deshalb stimmte er ausdrücklich der Aussage zu, "mit Holzbau können wir das Klima retten".

20 m² reichen auch

Auch Prof. Eike Roswag-Klinge aus Berlin plädierte für den Einsatz von nachwachsenden Rohstoffen und für einen Low-Tech-Ansatz ("wir müssen weg von der Lüftungsanlage") auf Basis natürlicher Baustoffe wie Lehm. Vor allem aber gehe es wegen Klimaschutz und grauer Energie auch um den Suffizienzgedanken: "Wir bauen derzeit Wohnungen mit 50 m² Wohnfläche pro Person, das ist nicht nachhaltig, 20 m² reichen auch bei entsprechend intelligenter Planung." Er sprach sich für das Bauen im Bestand aus, um bestehende Werte zu erhalten, und forderte eine Lebenszykluskosten-Analyse, die schon in die Baupreise eingeplant werden müsste.

Urban Mining Index

Prof. Annette Hillebrandt stimmte zu, dass der Akzent auf den Bestand gelegt werden müsste, die Gebäude von heute müssten als Rohstoffbasis der Zukunft gesehen werden. Jeder Neubau sollte deshalb einen "Urban Mining Index" ausweisen. Auch nachwachsende Rohstoffe müssten sich einer Kaskadennutzung stellen. Vor allem müsste die Akzeptanz von Sekundärbaustoffen durch entsprechend verbindliche staatliche Regeln erhöht werden, die damit verbundene Ressourcenschonung müsse sich letztlich auch für die Wirtschaft auszahlen.

Ganzheitliche Betrachtung

Auch von den der FDP nahestehenden Fachleuten wurde in der Anhörung eine ganzheitliche Betrachtungsweise gefordert, die den Lebenszyklus des Gebäudes im Blick hat und sich für eine zukunftsfähige Ausrichtung der Digitalisierung bedient. Das Bauwesen müsse weniger bürokratisch und komplex organisiert werden, was sich schon an der üblichen Ausschreibung für bis zu 30 Gewerke zeige: Bei der PKW-Fertigung käme man ja auch nicht auf die Idee, 30 verschiedene Einzelteile einzeln auszuschreiben und dann vor Ort zusammenzumontieren. Deshalb sei eine Elementierung und serielle Fertigung wie im Holzbau auch unter dem Gesichtspunkt der Kostensenkung und Baubeschleunigung sinnvoll. Dietmar Walberg von der Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen sprach sich gegen weiter verschärfte Effizienzanforderungen bei Neubauten aus, denn die dafür nötige immer anspruchsvollere Gebäudetechnik fresse einen Großteil der Grauen Energie. Technische Gewerke seien in den vergangenen Jahren um 170 % teurer geworden und ihre Lebensdauer habe sich, auch aufgrund wachsender Effizienzanforderungen, auf nun um die 20 Jahre nahezu halbiert.

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