Baumaterial muss klimafreundlicher werden

Ein neues Gutachten für das BBSR fordert, für den Klimaschutz im Gebäudebereich neue Wege zu gehen.

Ein neues Gutachten des Steinbeis-Informationszentrums, Stuttgart, im Auftrag der Bundesregierung (Bundesinstitut für Bauwesen Städtebau und Raumordnung, BBSR) zeigt auf, dass eine weitere Verschärfung der Anforderungen zur Wärmedämmung im Gebäudebereich allein nicht zwingend zu dem gewünschten Ziel einer Reduktion der Treibhausgase führt. Vielmehr müsste künftig der gesamte Lebenszyklus des Gebäudes mit allen verwendeten Materialien und auch der vermehrte Stromverbrauch durch moderne Haustechnik ins Kalkül gezogen werden, um die für das Klima beste Lösung zu finden. Darauf weist der europäische Umweltverband im Bauwesen natureplus hin.

40 % der Klimabelastung durch den Bau

Bei der bisherigen Gesetzgebung und Förderung steht der (Heiz-)Energieverbrauch bei der Nutzung des Gebäudes im Mittelpunkt. Dabei bleibt außen vor, dass es große Unterschiede beim Treibhausgas-Fußabdruck der verschiedenen Baumaterialien gibt. In einem ganz durchschnittlichen Neubau nach gültiger EnEV-Vorschrift sind schon 40 % der gesamten Klimabelastung durch den Bau selbst verursacht, in 50 Jahren Betrieb kommen dann nach und nach die restlichen 60 % CO2-Emissionen hinzu. Durch eine konsequente Auswahl klimafreundlicher Baumaterialien (z.B. durch Leichtbauweise, Ersatz für Zement, ökologische Dämmstoffe) lassen sich hingegen ohne Qualitätsverlust nahezu die Hälfte der baustoffbedingten CO2-Emissionen vermeiden – und das bei geringen Mehrkosten. Hochgerechnet auf das aktuelle Neubauvolumen könnten durch eine andere Bauweise laut Gutachten sieben Millionen Tonnen CO2 pro Jahr eingespart werden.

Ganzheitliche Betrachtung

Bei Gebäuden, in denen allein der Energieverbrauch optimiert wird, kommt zudem meist noch mehr Haustechnik ins Spiel. Der Stromverbrauch liegt dann in diesen Gebäuden nahezu gleichauf mit der Heizung und der Anteil der Grauen Energie steigt noch mehr an. „So kann das Klimaziel verfehlt werden, wenn man das Gebäude nicht ganzheitlich und in seinem Lebenszyklus betrachtet“, erläutert Thomas Schmitz, Geschäftsführer von natureplus. Der Umweltverband, der das gleichnamige Umweltzeichen für Bauprodukte herausgibt, weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die von ihm empfohlenen Baumaterialien eine weit überdurchschnittlich gute Klimabilanz aufweisen. Deshalb begrüßt natureplus die Forderung der Steinbeis-Wissenschaftler, die Gesetzgebung und Förderpraxis auf eine ganzheitliche Betrachtung umzustellen, die den Klimaschutz und damit die Vermeidung von CO2 in den Mittelpunkt stellt. 

Indikatoren, die alle Beteiligten verstehen

Das Gutachten regt an, Messindikatoren zu definieren, die einerseits einfach anzuwenden sind für KfW-Antragsbearbeiter*innen sowie für Energiegutachter*innen und anderseits von Politik und Bürger*innen leicht nachvollzogen werden können. Es schlägt ein Verfahren vor, um den Gesamtenergieverbrauch messbar zu machen, welches Heizwärme, Nutzerstrom und Graue Energie im Zeitraum von 50 Jahren umfasst und in CO2-Äquivalenten pro m² Wohnfläche und Jahr ausdrückt.

Weitere Indikatoren in Zukunft

Zahlreiche Pilotprojekte belegen die Machbarkeit dieses neuen Weges, den Gebäudebereich konsequent auf Klimaschutz auszurichten, um die Begrenzung der Erderwärmung noch rechtzeitig schaffen zu können. Dies ist aus Sicht von natureplus aber nur ein erster Schritt: „Langfristig brauchen wir die ganzheitliche Betrachtung der Gebäude und ihrer Materialien mit allen anderen Indikatoren, wie etwa Ressourcenverbrauch, Wohngesundheit und soziale Konditionen in der Lieferkette, um wirklich nachhaltig zu bauen“, erklärt Schmitz.

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