BUND fordert Ausstieg aus Naturgipsabbau bis 2045

Wertvolle Rohstoffe schützen und einmalige Gipskarstlandschaft erhalten, Gipsrecycling und alternative Materialien fördern

Gipsabbau im Harz | Foto: Philipp Küchler / BUND

Am 7. Oktober 2020 stellte der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sein Gutachten zum Ausstieg aus dem Naturgipsabbau bis 2045 vor. Anlass sind die verstärkten Bemühungen der Gipsindustrie, den Wegfall von REA-Gips aus der Kohleverstromung durch neue Naturgips-Abbauflächen zu kompensieren. Der BUND fordert strengere Regelungen für Gips-Recycling und den verstärkten Einsatz alternativer Baustoffe. Nur so kann der Naturgipsverbrauch nachhaltig reduziert und die einzigartigen Landschaften geschont werden.

„Der Ausstieg aus der Kohleverstromung wird kurzerhand als Argument für die Steigerung des Naturgipsabbaus genutzt. Das ist eine Milchmädchenrechnung“, erklärt BUND-Vorsitzender Olaf Bandt. „Naturgipsförderung in Deutschland zerstört unwiederbringlich Lebensräume, die in Europa einzigartig sind. Die angedachte Ausdehnung der Abbaugebiete in von der Europäischen Union ausgewiesene FFH-Gebiete oder andere streng geschützte Naturschutzgebiete ist seitens der Landesregierungen zu stoppen." „Vor diesem Hintergrund fordern wir die Politik auf, standhaft zu bleiben und keine neuen Naturgips-Abbaugebiete zu genehmigen“, erklärt Ron Hoffmann, Landesvorsitzender des BUND Thüringen. „Denn gerade im Südharz steht mit der Gipskarstlandschaft ein einzigartiger Hotspot der Artenvielfalt auf dem Spiel, der schon jetzt bis zur absoluten Belastungsgrenze ausgebeutet wird. In Zeiten des akuten Artensterbens ist ein solches Vorgehen nicht mehr tragbar.“

Gipsrecycling und alternative Baustoffe

Die Alternativen zum Naturgipsabbau sind verfügbar, erklärt BUND-Vorsitzender Olaf Bandt: "Um zu vermeiden, dass unsere letzten Naturgipsvorräte als Gipskartonplatten auf der Mülldeponie landen, ist jetzt ein guter Zeitpunkt, auf zukunftsweisende Alternativen umzustellen.“ Laut des vom BUND in Auftrag gegebenen Gutachtens werden in Deutschland bisher weniger als ein Prozent der Gipsprodukte recycelt, der überwiegende Teil landet als Sondermüll auf der Deponie. Dabei handelt es sich vor allem um Gipswandbauplatten aus REA-Gips aus Rauchgas-Entschwefelungs-Anlagen. Naturgipse werden bisher vor allem als Füllgipse und in geringem Umfang für Spezialgipse verwendet. „Wir brauchen dringend strengere Regelungen für das Recycling von Chemiegipsen und Gipsprodukten“, so Bandt. „Die Bundesregierung muss sich für ein Kreislaufwirtschaftsgesetz starkmachen, das den Ressourcenverbrauch deutlich reduziert und unsere Naturgipsvorräte schützt.“ 

Parallel dazu müssen laut BUND-Gutachten alternative Baustoffe wie Lehm, Holz und andere nachwachsende Rohstoffe gefördert werden, um den Gipsverbrauch generell zu reduzieren. Bandt: „Nachwachsende Rohstoffe speichern CO2, schonen die Natur und bieten uns die Möglichkeit, nachhaltig zu bauen.“

Hintergrund

In Deutschland liegt der aktuelle Gipsbedarf bei circa zehn Millionen Tonnen pro Jahr, davon stammen sechs Millionen aus REA-Gips aus Rauchgas-Entschwefelungs-Anlagen aus der Kohle- oder Öl-Verbrennung. Die restlichen vier Millionen Tonnen machen Naturgips aus. Davon werden mehr als eine Million Tonnen pro Jahr exportiert. Mit dem Wegfall von REA-Gips aus der Kohleverstromung würde eine Gips-Lücke von circa vier Millionen Tonnen entstehen. Der Wegfall von REA-Gips erhöht den Druck vor allem im Südharz. Dort findet mit knapp zwei Millionen Tonnen pro Jahr der größte Naturgips- und Naturverbrauch statt.

Knapp 85 Prozent des aktuellen REA-Gips-Aufkommens wird bisher für die Produktion von Gipswandbauplatten eingesetzt. Naturgips findet dagegen vor allem bei Produkten aus gebranntem Gips wie Füllgipsen (Putze, Spachtel, usw.) oder Spezialgipsen Anwendung. Naturgips kann durch Gipsrecycling und Chemiegipse nahezu vollständig ersetzt werden. Der Bedarf an Gipswandbauplatten reduziert sich erheblich durch den Einsatz von Platten aus Lehm, Holz und anderen nachwachsenden Rohstoffen.
 

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