FSC wehrt sich gegen Vorwürfe

In einer arte-Dokumentation mit dem Titel ‚Die Ausbeutung der Urwälder‘ werden schwere Vorwürfe gegen den FSC erhoben. Diesen Behauptungen stellt der Umweltverband für nachhaltige Forstwirtschaft einen "Faktencheck" entgegen. Auch führende Umweltorganisationen unterstützen den FSC.

Nachhaltige Forstwirtschaft ist ein komplexes Thema, das nicht zur Pauschalkritik taugt. Foto: Sven Christian Schulz / Utopia

Der Forest Stewardship Council (FSC) wird 25 Jahre alt und hat einiges vorzuweisen: Über 200 Millionen Hektar Wald sind inzwischen mit dem FSC-Label zertifiziert – eine Fläche so groß wie Westeuropa. Dort soll nachhaltige Forstwirtschaft betrieben werden als Rohstoff für die Erzeuger von Papier und Holzprodukten. Doch zum Jubiläum hagelt es Kritik für den FSC. Das Holzlabel schütze angeblich keine Wälder, sondern diene nur noch den Interessen der Holzwirtschaft. Und überhaupt sei FSC "gescheitert", weil seit seiner Gründung so viel Wald verloren gegangen sei. „Die Ausbeutung der Urwälder – Kann ein Öko-Siegel die Forstindustrie stoppen?“ fragt zum Beispiel eine Dokumentation, die gerade auf arte zu sehen war. Die Arte-Doku klagt an: Selbst Unternehmen, die beschuldigt werden, auch illegal geschlagenes Urwaldholz zu verarbeiten, würde das Ökosiegel nicht zwangsläufig vom FSC entzogen. Und selbst eine Firma, die für illegale Abholzungen im brasilianischen Regenwald verurteilt wurde, dürfe das Siegel für nachhaltige Forstwirtschaft weiter nutzen.

Faktencheck des FSC

In einem emotionalen Statement wehrt sich der FSC gegen diese Behauptungen. „Auch wenn wir uns als FSC bewusst sind, dass unsere Arbeit in einigen Bereichen noch weiterentwickelt und verbessert werden muss, sind wir bestürzt darüber, wie schamlos hier Fakten verdreht wurden.“
Der aufwändig produzierte Beitrag sei "erschreckend einseitig und an vielen Stellen falsch“, so Dr. Uwe Sayer, Geschäftsführer FSC Deutschland. „Wenn nicht falsch, so verschweigt der Beitrag doch an vielen Stellen die Komplexität der Herausforderungen von Forstwirtschaft weltweit und versucht dem FSC das Problem in Gänze in die Schuhe zu schieben.“ Der Beitrag unterschlage "an fast allen relevanten Punkten" die harte Arbeit und die zahlreichen Erfolge, die der FSC an jedem einzelnen im Film genannten Beispiel erreicht habe. Den Behauptungen des Films stellt der FSC deshalb einen Faktencheck gegenüber, den man hier unten herunterladen kann.

Übertriebene Erwartungen?

Viele Forstfachleute kommen zu dem Schluss: Seit Gründung des FSC wurde diese Umweltinitiative überfrachtet mit Hoffnungen, den dramatischen Waldverlust zu stoppen. Für die Waldverluste gibt es aber vielfältige Gründe. Dazu gehören illegaler Holzeinschlag genauso wie Umwandlungen in landwirtschaftliche Flächen. Baumplantagen können nicht nach FSC-zertifiziert werden, wenn sie auf Waldflächen entstanden sind, die nach 1994 umgewandelt wurden. FSC ist lediglich ein freiwilliger Standard, der die Waldbewirtschaftung verbessern will. Dazu gehört auch, dass FSC die Einhaltung der Gesetze sicherstellen, soziale Aspekte berücksichtigen und eine Verbesserung der gesetzlichen Waldbewirtschaftung erreichen soll. FSC ist also ein Instrument für die Verbesserung der Waldbewirtschaftung – aber nicht die Lösung für das globale Problem Waldverlust. 

Stellungnahme des WWF

In einer differenzierten Analyse kommt der WWF, der den FSC seit seiner Gründung unterstützt, zu dem Ergebnis, dass es "bei FSC zwar ein anspruchsvolles Ziel gibt, in der Praxis aber auch Fehler passieren". Das ist bei 200 Millionen Hektar zertifiziertem Wald eigentlich auch nicht verwunderlich. Aber entscheidend sei, wie damit nun umgegangen wird. Der FSC ist in den vergangenen Jahren sehr schnell gewachsen, deshalb fordert der WWF: "Jetzt muss es eine Phase der Qualitätssicherung und Konsolidierung geben. Denn viel zu oft gibt der FSC tatsächlich Grund zur Kritik. Immer wieder erfahren wir, dass sich zertifizierte Waldbesitzer, Konzessionäre oder andere Produzenten nicht an die Richtlinien halten. FSC muss reagieren und Missstände in Zukunft stärker selber aufdecken und bekämpfen. Wie es ja auch in seinen Regularien steht."

Auch natureplus steht weiter zu FSC

Trotzdem raten die deutschen Umweltorganisationen WWF, NABU und BUND weiterhin Holzkäufern in Deutschland, auf das FSC-Siegel zu achten. Warum? Weil von den existierenden internationalen Siegeln für Holz- und Papierprodukte FSC immer noch das anspruchsvollere ist. FSC erfüllt grundlegende Anforderungen, wie zum Beispiel regelmäßige Kontrollen und höhere ökologische Standards. Auch das natureplus Umweltzeichen steht weiterhin zu FSC, das es für tropische und boreale Wälder als einziges Label zum Nachweis der nachhaltigen Waldbewirtschaftung anerkennt.

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