40 Jahre Blauer Engel

Internationale Konferenz in Berlin zeigt Entwicklungen auf.

Vortrag von Umweltministerin Svenja Schulze auf der Konferenz. (Foto: natureplus)

Der Blaue Engel – das Umweltzeichen der Bundesregierung – feiert seinen 40. Geburtstag. Seit 1978 setzt er unabhängig von wirtschaftlichen Interessen anspruchsvolle Umweltkriterien für Produkte und Dienstleistungen. Heute zählt es zu den weltweit bekanntesten Labeln, mehr als 12.000 Produkte tragen den Blauen Engel, vom Staubsauger bis zum Smartphone. Der Blaue Engel garantiert, dass mit ihm ausgezeichnete Produkte und Dienstleistungen die Umwelt nachweislich weniger belasten als vergleichbare konventionelle Produkte und Dienstleistungen – bei gleicher Gebrauchstauglichkeit und Qualität. 

Neue Anforderungen

Aktuell reagiert das Zeichen in einer zunehmend vernetzten, globalisierten Welt auch auf gesellschaftliche und wirtschaftliche Veränderungen. Der Blaue Engel ist im Kern ein Umweltzeichen, mittlerweile ergänzen aber auch soziale Aspekte die Anforderungen, beispielsweise bei Smartphones, Textilien, Spielzeug und Schuhen. Im Textilbereich zählen dazu zum Beispiel das Verbot der Zwangsarbeit und die Einhaltung des Mindestalters in den Kleidungsfabriken oder das Verbot von Pestiziden im Baumwollanbau.

Internationale Konferenz

Am offiziellen "Geburtstag" des Blauen Engels, am 25. Oktober fand im Tagungswerk Lindenstraße in Berlin eine internationale Konferenz mit dem Titel "40 Years of Credible Environmental Labelling: Driving Smart Innovations towards our Green Future" statt. Den ganzen Tag diskutierten die etwa 150 Teilnehmer in Vorträgen, Diskussionsrunden und Workshops Themen wie "What role will ecolabels play in digital shopping environments?", "How to tackle complex supply chains and short product cycles?", "Strengthening the impact of ecolabels in the international sphere" oder "Integration of social criteria into ecolabels". Die Teilnehmer kamen dabei aus vielen europäischen Ländern, aber auch aus Asien, Australien und den USA.

Spannende Diskussionen

natureplus ließ es sich nicht nehmen, den "Kollegen" in Berlin zum Geburtstag zu gratulieren und uns über die weiteren Entwicklungen zu informieren. Interessant war beispielsweise der Beitrag von Prof. Edda Müller von der Jury Umweltzeichen, die die Vorreiterrolle des Blauen Engels betonte. Noch bevor Umweltprobleme gesetzlich geregelt werden, setzt das Umweltzeichen freiwillige Standards. Deshalb sprach sie sich auch gegen eine internationale Standardisierung von Umweltzeichen aus, weil darunter ihre Kreativität und Flexibilität bei neuen Herausforderungen leiden würden. Interessanterweise war auf der Konferenz der Wettstreit zwischen (bewertenden) Umweltzeichen wie dem Blauen Engel oder natureplus und den lediglich darstellenden Umweltdeklarationen, welche von der EU bevorzugt werden, kein Thema.

Sozialstandards

Deutlich wurde hingegen die wachsende gesellschaftliche Nachfrage nach Sozialstandards: Der Blaue Engel setzt sich bereits in einigen Produktbereichen (s.o.) mit Sozialstandards auseinander. Auch bei natureplus as umfassendes und anspruchsvolles Gütezeichen sind faire Produktionsbedingungen seit langem fester Bestandteil der Produktprüfungen. Dennoch stehen die Umweltzeichen hier noch ziemlich am Anfang: Bei dem Tischgespräch mit Miquel Ballester von Fairphone etwa ging es um die Herausforderungen bei der Überprüfung komplexer Produktionsketten. Hier konnte man neue Aspekte kennenlernen, die auch für natureplus interessant sind, wo gegenwärtig die Prüfbedingungen für soziale Nachhaltigkeit in der Produktionskette weiterentwickelt werden.

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