Wissen, was im Bauwerk steckt

Das Forschungsprojekt BIMpeco des IBO Österreich zielt auf Transparenz der umweltrelevanten Produktinformationen in der BIM-Umgebung.

Produktinformationsmanagement im Common Data Environment © IBO

Bedarfsanalysen bei HerstellerInnen von Bauprodukten zeigen ein hohes Interesse an digitalem Produktinformationsmanagement und der Anbindung ihrer Produktdaten an BIM (Building Information Modelling). Die Information und Dokumentation der im Bauwerk eingesetzten Produkte ist aber nicht nur für produzierende Unternehmen, sondern für Stakeholder in der gesamten Wertschöpfungskette von Bedeutung:

  • für das Bauproduktmanagement (FachberaterInnen, Ausführende Gewerke, örtliche Bauaufsicht, …)
  • für die Bauabrechnung der ausführenden Gewerke mit der AuftraggeberIn und mit den LieferantInnen
  • für die zukünftige Wartung (Facility ManagerInnen, EigentümerInnen, NutzerInnen, …)
  • für die spätere Kreislaufführung (Entsorgungsunternehmen, …)

Da nicht zentral und digital gesammelt, liegen insbesondere zum Zeitpunkt des Rückbaus keine Produktdaten vor bzw. sind nicht mehr auffindbar. Informationen über Stör- und Schadstoffgehalte in den eingesetzten Materialien müssen heute im Rahmen einer Stör- und Schadstofferkundung mühevoll und unvollständig rekonstruiert werden. Für Wiederverwendung und closed loop ist außerdem die exakte Produktidentifikation von großer Bedeutung.

Erste Schritte für ein lebenszyklusbegleitendes Produktinformationsmanagement

Das Österreichische Institut für Bauen und Ökologie (IBO), ein natureplus-Partner, hat zu dieser Problemstellung das Forschungsprojekt BIMpeco (BIM product ecology) initiiert und im Herbst 2020 gestartet. Gemeinsam mit den ACR-Instituten AEE - Institut für Nachhaltige Technologien und GET – Güssing Energy Technologies sowie den Softwareanbietern ib data und A-NULL werden Workflows und Datenstrukturen für das digitale Informationsmanagement von umweltrelevanten Produktdaten entwickelt. In einem ersten Schritt gilt es, die relevanten Produkteigenschaften zu eruieren und in möglichst allgemein gültige, eindeutig definierte Attribute zu übersetzen. Standards für die Beschaffung schadstoff- und emissionsarmer Bauprodukte, wie in Österreich die ÖkoBauKriterien, schreiben z.B. Grenzwerte für gefährliche Inhaltsstoffe vor. Die Einhaltung dieser Kriterien – oder auch beliebiger anderer Grenzwerte, etwa von natureplus – soll letztendlich automatisiert überprüft werden können.

Normative Standards für das Produktinformationsmanagement und Produkt-Datenvorlagen über den Bauwerkslebenszyklus wie die ISO 19650-1 und ISO 23387 wurden 2019 entwickelt und bisher nur vereinzelt in proprietären Systemen angewandt. In BIMpeco werden diese Standards erprobt und mit etablierten Prozessabläufen abgestimmt. Die Weitergabe der Informationen entlang der Lieferkette, fortlaufende Spezifizierung der Informationsanforderungen und Qualitätssicherung der Daten stellen Transparenz und Wissen über die umweltrelevanten Eigenschaften über den gesamten Lebenszyklus des Bauwerks sicher.

open source Pilotanwendungen

Anhand mehrerer Fallbeispiele werden die Übergabe, Ablage und Bereitstellung der Produktdaten mit Fokus auf die Fragestellungen in den verschiedenen Phasen (herstellerneutrale Ausschreibung, Vergleich der angebotenen Bauprodukte, Einbau des konkret gewählten Produktes, Datenverfügbarkeit zum Zeitpunkt des Rückbaus) getestet. Die Projektergebnisse (Attributmodell, ISO 23387-konforme Data Templates, ISO 19650-konformer Workflow, Dokumentation der Fallbeispiele) werden open-source zur Verfügung gestellt. Gerade kleine und mittlere Unternehmen stehen meist noch am Beginn des digitalen Datenmanagements oder haben noch gar nicht damit begonnen – vor allem diese Betriebe werden von den Erfahrungen aus dem Forschungsprojekt enorm profitieren können. Mit den Projektergebnissen wird im Herbst 2022 gerechnet.

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