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Ressourceneffizienz und Zirkuläres Bauen

Gesprächsreihe des Bauministeriums / BBSR im Rahmen der BAU ONLINE 2021 brachte viele neue Erkenntnisse.

Foto: Michael Gaida (Pixabay)

Mehrere Veranstaltungen im virtuellen "Studio Bund" des Bauministeriums / BBSR im Rahmen der BAU ONLINE 2021 befassten sich mit dem Thema "Von der Kreislaufwirtschaft zur Circular Economy". Im ersten Teil dieser Beschäftigung mit dem, wie es hieß, "Megathema der Dekade" ging es wesentlich um die Aktivitäten des Runden Tischs Ressourceneffizienz im Bauwesen, der beim Bundesbauministerium eingerichtet wurde. Hier berichteten Industrievertreter und Praktiker aus der Bauschuttaufbereitung über ihre Aktivitäten, Baustoffe zu recyclen und Sekundärmaterialien einzusetzen. 

Baustoffrecycling als Voraussetzung der Rohstoffwende

So schilderte Walter Feess aus Kirchheim/Teck, Träger des deutschen Umweltpreises, seine erfolgreichen Recyclingverfahren zur Aufbereitung von Bauschutt und Bodenaushub zu hochwertigen Sekundärmaterialien. Abbruchgebäude seien die Rohstoffdepots der Zukunft. Die Technik sei vorhanden, meinte Feess, es komme nun darauf an, sie flächendeckend einzusetzen, alle 20-40 km müsste ein Aufbereitungsstandort entstehen, um die Wirtschaftlichkeit des Recycling zu ermöglichen. Dies stoße allerdings auf Platz- und Akzeptanzprobleme.

Den Einsatz von R-Beton aus Recyclingmaterial bezeichnete das UBA als "Stand der Technik", in der Schweiz sei dieser Einsatz gang und gäbe, dennoch herrschen hierzulande immer noch unbegründete Vorbehalte. Die Referenten vom Bundesverband Leichtbeton und von der Vereinigung Aluminium und Umwelt im Fenster- und Fassadenbau stellten erfolgreiche Recyclingkonzepte vor. So kann Ziegelbruch aus aufbereitetem Bauschutt Blähton und Bims als Leichtzuschlag ersetzen, dieser muss aber im Ofen erneut gebrannt werden und hat in der eher traditionellen Branche noch nicht so recht Fuß gefasst. 

Im Fensterbau werden derzeit bereits ein Drittel der jährlich 110.000 Tonnen Aluschrott im Materialkreislauf geführt, die Verwertungsquote bei Metallen ist generell recht hoch. Sekundäraluminium erspart nach diesen Angaben jeweils 95 % der Energie und der CO2-Emissionen ohne Qualitätsverlust. Auch für diese Branche werden staatliche Regeln gefordert, dass beim Abriss eines Gebäudes verwertbare Materialien dem Materialkreislauf zugeführt werden. 

Gips wird zum Problem

Die größte Motivation, auf Recyclingmaterial umzusteigen, müsste eigentlich in der Gipsindustrie vorhanden sein. Denn wie Verbandsgeschäftsführer Holger Ortleb ausführte, stammen in Deutschland die Hälfte der 10 Millionen Tonnen Gipsmaterial, die jährlich zu Produkten verarbeitet werden, aus der Rauchgasentschwefelung der Kohlekraftwerke. Und da diese in den kommenden Jahren aus Klimaschutzgründen abgeschaltet werden, muss sich die Industrie nach anderen Rohstoff-Quellen umsehen. Und da ist man nicht recht weit gekommen: Gerade einmal 45.000 Tonnen Recycling-Gips werden jährlich bestenfalls aufbereitet, allzu oft wandert das gipshaltige Abrissmaterial auf die Deponie, häufig auch ins Ausland. Moderne Techniken zur Abscheidung des Gipses werden nicht eingesetzt. 

Da deshalb nach Ortlebs Worten jährlich nur weniger als 0,6 Mio. Tonnen "verwertbare" Gipsabfälle anfallen, sieht der Gipsverband eine Lösung der "Versorgungslücke" nur in einem praktisch verdoppelten Abbau von Naturgips. Den Bedenken der Naturschützer, die sich z.B. im Harz gegen den Gipsabbau wehren, will die Industrie mit einem vermehrten Untertage-Abbau begegnen. Den Hinweis, dass es weltweit Milliarden Tonnen Phosphorgips auf Halde gebe, die auch eingesetzt werden könnten, entgegnete Ortleb, dass dieser Phosphorgips über weite Strecken aus dem Ausland hertransportiert werden müsste und auch einige Schadstoff-Probleme bestünden. Die Wirtschaftlichkeit der Gipsindustrie hänge an der lokalen Verfügbarkeit des Materials.

Praktische Beispiele für Zirkuläres Bauen

In einer zweiten Veranstaltung am 14. Januar wurde die Thematik des kreislaufgerechten Bauens eher aus Planersicht behandelt. Hier stellten Patricia Schneider-Marin von der TU München, Isabell Nemeth von der Hochschule Ansbach und Hildegund Figl vom IBO Wien, zugleich auch Mitglied der natureplus Kriterienkommission, ihre Arbeiten für einen Leitfaden zum BNB-System des Bundes mit konkreten Planungshilfen für Architekten im Bereich Rückbau, Trennung und Verwertung vor, der zum Jahresende bereitstehen soll. Barbara Buser, Unternehmerin aus Basel, berichtete eindrucksvoll aus der Praxis von fast 25 Jahren Bauteilbörse und diversen anderen Unternehmungen, die sich beispielsweise mit der Zwischennutzung von Immobilien beschäftigen. So konnte sie beispielsweise einen Fassaden-Neubau mit Holzelementen realisieren, in denen 200 geschenkte Fenster (Remittenden oder Ausstellungsstücke) verwertet wurden. Sie erarbeitete auch für ihre Region eine "Harvest-Map" in der in 50 km Umkreis interessante Bauteilreservoire aufgelistet sind. 

Ebenfalls im Thema Wiederverwertung und Wiederverwendung arbeitet Dr. Thomas Stark von der HTWG Konstanz. Sein Ziel ist es, "regionale Wertstoffbündnisse" zu schaffen: Ihm war aufgefallen, dass es allein im Landkreis Konstanz jährlich etwa 300 Rückbauprojekte gibt, bei denen das Abbruchmaterial zu 100 % den Landkreis verlässt, und ca. 500 Neubauprojekte, in denen alle Baustoffe von außerhalb des Landkreises stammen. Diese Situation, die von allen Beteiligten als unglücklich empfunden wird, will er nun mit lokalen Netzwerken beheben, in denen sich "kleine Kreisläufe" etablieren. Ein Pilotgebäude, das zu 100 % aus Rückbaustoffen besteht, wird gerade errichtet, das "Haus der 1.000 Geschichten" genannt wird, weil die Herkunft der Materialien den Besuchern über QR-Codes vermittelt wird. Schließlich berichtete in diesem Workshop auch die Aachener Architekturstudentin Luisa Ropelato von Architects for Future über die erfolgreiche Petition der A4F beim Deutschen Bundestag, welche auch von natureplus unterstützt wurde, in der die Themen Bestandserhalt statt Neubau, Förderung ressourcensparender und wenig energieintensiver Produkte und Kreislaufwirtschaft im Bauwesen eine zentrale Rolle spielen (wir berichteten an anderer Stelle).

Alle Beiträge aus drei Tagen "Studio Bund" der BAU ONLINE 2021 können unter dem unten stehenden Link angeschaut werden.
 

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