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Ressourcenwende und Politik

Die heutige Abfallwirtschaft zielt nur minimal auf den Aufbau einer Kreislaufwirtschaft im Bausektor ab. Deshalb braucht es mehr Engagement von Seiten der Bundesregierung, aber auch der Bauindustrie selbst.

Unter dem Titel "Ressourcenwende und Politik – wie geht es weiter?" fand am Dienstag, den 07. Juli 2020 das dritte natureplus-Webseminar zur Circular Economy im Bauwesen statt. „Was muss sich durch Gesetzgebung im Bereich ‚Entsorgung‘ verändern, damit Circular Economy effektiv umgesetzt werden kann?“ lautete die Eingangsfrage. Florian Knappe vom Heidelberger ifeu-Institut ging in seinem Eingangsstatement den Möglichkeiten und Grenzen bei der Entwicklung vom Abfall zum Sekundärrohstoff nach. Denn die Nutzung von Baustoffen aus Sekundärrohstoffen ist nicht nur im Hinblick auf die Bauaufsichtliche Zulassung sondern auch durch die Entstehung von Konkurrenzprodukten in wirtschaftlicher Hinsicht nicht einfach.

Aktivitäten in der Baustoffbranche

In der Baustoffbranche gibt es derzeit bereits einige Aktivitäten zur Entwicklung von Verwertungsstrategien, z.B. eigene RC-Produkte wie Mauersteine aus Recyclingmaterial (in Kalksandsteintechnologie produziert​) oder Mauersteine, die Körnungen aus Porenbetonbruch enthalten​. Doch solche eigenen RC-Produkte sind schwierig in der Kommunikation, weil „Recycling“ ein negatives Image hat, erfordern ein eigenes Vertriebsnetz und eigene Baustoffzulassung, was die Markteinführung sehr aufwändig macht. im Straßen- und Wegebau klappt die Verwendung von RC-Produkten, weil die Herstellung einer Frostschutzschicht nach den technischen Lieferbedingungen für Straßenbauprodukte​ damit möglich ist.

Das Ideal eines funktionalen Recyclings wäre hingegen die Rückführung in das Bauprodukt selbst, sodass das Abbruchmaterial die Rohstoffe für die Baustoffproduktion liefert. Als Beispiele dafür nannte Knappe Gips und Beton. In beiden Fällen wird eine Getrennthaltung der spezifischen Abfälle zwar heute schon weitgehend praktiziert​, aber das Recycling steckt noch arg in den Kinderschuhen​. Andere Länder wie etwa die Schweiz seien hier deutlich weiter als Deutschland​. Das liegt auch an bürokratischen Hindernissen, so darf der "R-Beton" zwischen 25 und 45 % Anteile rezyklierter Gesteinskörnungen enthalten, es ginge aber deutlich mehr, wie ein BMBF-Forschungsbericht nahelegt.

Verbesserte Aufbereitungstechnik

Je später der Rohstoff aus dem Materialkreislauf in den Produktionsprozess einfließen kann,​
umso höher ist der Substitutionserfolg bzw. ökologische Nutzen zeigte Knappe anhand der Dämmstoffstudie mit natureplus auf​. Beim Abbruch oder Rückbau bestimmen Qualität und Zusammensetzung des Inputmaterials wesentlich das Ergebnis​, aber auch die Qualität der Aufbereitung. "Derzeit ist die Aufbereitung noch sehr steinzeitlich unterwegs"​, meinte Knappe, zukünftig müsse eine gezielte Vorbehandlung​ mit Auftrennung in einzelne Produktionslinien erfolgen. Eine auf Materialeigenschaft und Produktionsziel​ zugeschnittene Zerkleinerung, die verlässliche Abtrennung von Fremd- und Störstoffen​, eine auf Rohstoffspezifikation abgestimmte Klassierung​ sowie die Qualitätssicherung von Produktion und Produkt ermöglichen hochwertige Rohstoffe, die in den Materialkreislauf eingehen können. 

Umweltpolitische Rahmenbedingungen

Aber nicht nur technische Maßnahmen sind notwendig, vor allem auch die umweltpolitischen Rahmenbedingungen müssen nach Knappe den Erfordernissen der Kreislaufwirtschaft angepasst werden. "Billige Senken sind des Recyclings Tod​" war hier sein Monitum, deshalb müssten die Deponiekapazitäten knapp und teuer und einfache Verfüllmöglichkeiten restriktiv gehalten​ werden. Hierzu müsse die gültige Deponieverordnung nur konsequent umgesetzt werden, welche die Ablagerung nur von nicht-verwertbarem​ Material gestattet. Auch die Gewerbeabfallverordnung​ sei eigentlich ein sehr gutes Instrument zur Steuerung der Massenflüsse und Beeinflussung​ der Qualitäten​ - wenn sie denn konsequent umgesetzt würde. Hier wird bereits die Selektivität im Rückbau, Getrennthaltung ab Baustelle​ und die Zuweisung zu hochwertigem Recycling​ gefordert - "allein es fehlt der Vollzug"!"

Auch bei Ausschreibung und Vergabe​ ist nach Knappe die öffentliche Hand "in ihrer Vorbildfunktion gefragt​", ein positives Beispiel dafür ist die Berliner "Verwaltungsvorschrift Beschaffung und Umwelt". Zertifizierungssysteme wie DGNB oder natureplus könnten dazu beitragen, die Anteile an Recycling zu erhöhen. Im Bereich der Gesetzgebung sah er allerdings nur wenige Handlungsoptionen für Circular Economy, beispielsweise​ einheitliche Umweltstandards für ​natürliche Rohstoffe und Rohstoffe aus dem Materialkreislauf​ oder eine konsequente Fortschreibung des Kreislaufwirtschaftsgesetzes. Die wichtigste Maßnahme der öffentlichen Hand ist aber nach seiner Ansicht der konsequente Vollzug der bestehenden Regeln! 

Diskussion

Chris Kühn, Mitglied des Deutschen Bundestages, Sprecher für Bau- und Wohnungspolitik von Bündnis 90/Die Grünen, forderte dringend eine "Bauwende" hin zum nachhaltigen und ressourcenschonenden Bauen. Im Sinne von Klima- und Ressourcenschutz müssten Gebäude in ihrem ganzen Lebenszyklus betrachtet werden und nicht allein in der Nutzungsphase. Hier müsse die Bundesregierung deutlich mehr Engagement zeigen.

Christoph Epping, Leiter Ressourcenschutz und Kreislaufwirtschaft im Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit, gab zu bedenken, dass Circular Economy mehr als Kreislaufwirtschaft im Sinne des Deutschen Kreislaufwirtschaftsgesetzes ist. Es braucht sowohl produktionsintegrierte Wertstoffkreisläufe wie auch Kreisläufe unter Einbeziehung der klassischen Kreislaufwirtschaft mit Sammel-, Sortier- und Aufbereitungstechniken, um eine insgesamt nachhaltige Circular Economy aufzubauen, die Ressourcen effizient nutzt und Schadstoffe ausschleust.

Unter der bewährten Seminarleitung der freiberuflichen Redakteurin Katharina Brenner und von Tilmann Kramolisch, dem Geschäftsführer von natureplus, hatten die rund 100 Teilnehmer dann noch Gelegenheit, ihre Fragen an die Referenten zu stellen, hierfür wurde die Webinarzeit extra um eine halbe Stunde verlängert.

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