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Neues aus der Kriterienkommission

Die Kriterienkommission von natureplus bringt neue Richtlinien für die Bewertung des ökologischen Fußabdrucks und für Einblasdämmstoffe aus Stroh auf den Weg

Am 24./25. Oktober 2019 tagte die Kriterienkommission von natureplus unter der Leitung von DI Hildegund Figl (IBO Wien) in Frankfurt. Am 24.10. fand eine Industrie- und Verbände-Anhörung zum Entwurf der neuen Vergaberichtlinie RL 5020 statt, an der sich erfreulicher Weise 14 Verbände und Hersteller direkt oder mittels schriftlicher Stellungnahmen beteiligt hatten.

Entwurf der „RL 5020 Klimaverträglichkeit und Energieeffizienz“ vorgestellt

Die RL 5020 Klimaverträglichkeit und Energieeffizienz ist eine Querschnittsrichtlinie, die die bisherigen Richtwerte für Öko-Indikatoren (cradle to gate) in allen Produktrichtlinien ersetzen soll. natureplus verfolgt mit dieser RL 5020 drei Hauptziele:

1. Einfachere Kommunikation durch Reduzierung der Indikatoren für Umweltauswirkungen auf

  • GWP (CO2-Emissionen) befasst sich mit dem Klimaschutz und dem Fußabdruck der Produktion
  • PEE (Primärenergieverbrauch) befasst sich mit der Energieeffizienz in der Herstellung
  • PERE (Mindestanteil der erneuerbaren Primärenergie) betrifft die Energiewende

2. Besseres Marketing und verbesserte Marketingmöglichkeiten für Kunden

  • Möglichkeit für den Kunden, den individuellen CO2-Fußabdruck zu kommunizieren
  • Grenzwerte anstelle von Richtwerten signalisieren: "Endlich ist es jemandem ernst

3. Reduzierung von Prüfaufwand und -kosten

  • Weniger Indikatoren bedeuten weniger Berechnungen und damit geringerer Aufwand durch Wechsel der Berechnungsmethode von EN 15804 zu ISO 14067
  • Anerkennung von Gutachten Dritter (z.B. EPD) bei Offenlegung von Hintergrunddaten
  • Möglichkeit, die Zeitabstände zwischen den Prüfungen zu verlängern, wenn die Messwerte die Grenzwerte weit unterschreiten.

Durch die Definition von Grenzwerten unterstreichen wir die Bedeutung der Ökobilanz für die ökologische Produktherstellung und geben unserem Label eine neue Relevanz. Die Grenzwerte gelten immer für Produktgruppen (z.B. Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen) und bezogen auf eine Funktionseinheit. Ein weiterer Vorteil: Es gibt jetzt genaue Regeln, wie vorzugehen ist, wenn die Grenzwerte überschritten werden. Außerdem haben wir in der RL 5020 Zielwerte für die Jahre 2030 und 2050 definiert, um den EU-Zielen in der Klima- und Energiepolitik Rechnung zu tragen. Dies sind Ziele für strengere Grenzwerte in der Zukunft. Von den Herstellern wird erwartet, dass sie mittel- bis langfristige Maßnahmen ergreifen, um diese Zielwerte zu erreichen.

Lebhafte Diskussion

Die Anhörung brachte eine lebhafte Diskussion, welche allerdings letztlich keine wesentliche Änderung des Richtlinienentwurfs zur Folge hatte. So wurde nachgefragt, warum die Nutzungsdauer nicht betrachtet wird. Diese ist sehr wichtig bei Betrachtung von Ökobilanzen auf Gebäudeebene. Bei natureplus werden „verwandte“ Produkte zu Produktgruppen zusammengefasst. Hier unterscheiden sich die Nutzungsdauern zwischen den unterschiedlichen Produkten nicht so stark bzw. sind nicht mit ausreichenden Fakten belegt. Auch die Entsorgungsphase wird vorerst nicht betrachtet, da die Szenarien und Methoden (noch) nicht beständig genug sind. Es werden noch Forschungsergebnisse und weitergehende Erkenntnisse abgewartet.

Anerkennung von EPDs

Der Entwurf der RL 5020 sieht erstmals vor, auch Ökobilanzen von Dritten (z.B. EPDs) anerkennen zu können. Dabei sind allerdings frei verfügbare Branchen-EPDs aufgrund ihrer geringen Datenqualität ausgeschlossen. Bei natureplus handelt es sich im Gegensatz zur EPD nicht um eine Deklaration, sondern um ein Qualitätszeichen für spezifische Bauprodukte, das auf Basis festgelegter Kriterien vergeben wird, welche jedes ausgezeichnete Produkt erfüllen muss. Branchen-EPDs können daher nur unter der Bedingung anerkannt werden, dass die Hintergrunddaten für die zu zertifizierenden Produkte gegenüber natureplus aufgeschlüsselt werden.
Eine EPD ist sehr arbeitsaufwändig, kostspielig und für kleinere Betriebe schwer erschwinglich. natureplus hat sich daher dagegen entschieden, EPDs als Voraussetzung für die natureplus-Prüfung zu verlangen. Hersteller, welche schon eine Sachbilanz, Ökobilanz oder auch EPD durchgeführt haben, werden jedoch von einem geringeren Aufwand bei der Datenerhebung profitieren. Die Prüfung wird durch die Überprüfung weniger stabiler Indikatoren deutlich vereinfacht und durch die Akzeptanz bereits vorhandener Daten auch weniger aufwändig.

Weiteres Vorgehen

Die Kriterienkommission (KK) hat nun den Auftrag, den Entwurf der RL 5020 unter Berücksichtigung der während der Anhörung vorgebrachten Anregungen fertigzustellen und für eine Prüfbarkeit aller Anforderungen zu sorgen. Zur Anhörung lagen zunächst nur Grenz- und Zielwertberechnungen für wenige Produktgruppen vor. Bis zum Jahreswechsel sollen nun die Zahlen für alle bisher bereits zertifizierten Produktgruppen unter Einbeziehung der betroffenen Hersteller erarbeitet werden. Erst danach wird die neue RL 5020 veröffentlicht und Bestandteil der Prüfungen durch die natureplus INSTITUTE SCE. Es wird ein neues Design des natureplus®-Prüfzeichens entwickelt, das den Herstellern erlaubt, ihren individuellen CO2-Fußabdruck offen zu kommunizieren. Dieses Vorgehen wurde vom natureplus-Vorstand auf seiner Sitzung am 07.11. begrüßt.

Neue Vergaberichtlinie 0111

Ebenfalls auf der KK-Sitzung im Oktober wurde die neue Vergaberichtlinie RL 0111 für Einblas-Dämmstoffe aus Stroh verabschiedet und anschließend vom Vorstand gebilligt. Diese Produkte zeichnen sich durch eine besonders günstige Ökobilanz und sehr geringe Emissionen aus. Die neue RL 0111 ist auf der Homepage veröffentlicht.

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