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Neue Einblicke beim Forum Holzbau Urban in Köln

Am 23. und 24. Oktober 2019 fand der 12. Europäische Kongress Effizientes Bauen mit Holz im urbanen Raum statt.

 

Großes Interesse am Stand von GUTEX. Foto: natureplus.

Einführungsvortrag zum Wohnungsbau in Deutschland. Foto: natureplus.

FunderPlan warb mit dem natureplus-Gütesiegel. Foto: natureplus.

Unter dem Titel „Effizientes Bauen mit Holz im urbanen Raum“ fand in Köln der 12. Europäische Kongress des Forums Holzbau statt. Wie bereits in den Vorjahren deckten die über 30 Vorträge ein weites Themenspektrum ab. Das Schwerpunktthema des Kongresses „urbaner Holzbau“ wurde in Beiträgen zu Rückbaubarkeit, Holzfassaden und Gebäudeaufstockungen sowie Baurecht und Hochbau mit Holz intensiv behandelt. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhielten damit Einblicke ins zukunftsfähige, weil ressourcenschonendes, Bauen und Wohnen. Außerdem wurden Planungshilfen für den Holzbau erläutert oder auch neueste Erkenntnisse zum Brandschutz von hölzernen Gebäuden präsentiert. Auch der Umweltverband natureplus war mit zwei Vertretern vor Ort und beteiligte sich an den Diskussionen.

Konkreten Bauprojekten machten für Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Fortschritte in diesen Themenfeldern nachvollziehbar. So wurden zum Beispiel das Holzhochhaus Skaio, das im Zuge der Bundesgartenschau in Heilbronn entstanden ist oder auch die größte Holzbau-Wohnsiedlung Deutschlands im Prinz-Eugen-Park in München vorgestellt. In der zugehörigen Fachausstellung gab es die Möglichkeit, sich weiter über den modernen Holzbau und innovative Holzbauprodukte etwa von Keimfarben, Isocell, FunderPlan, Gutex oder Lignotrend zu informieren und Kontakt zu Fachverbänden und Herstellern zu knüpfen.

Auszugsweise sind im Folgenden einige Vorträge und Thesen aufgeführt. Weitere Informationen und Fotos zur Veranstaltung findet sich auf der Homepage des Forums Holzbau.

Ressourcenschonung und Wiederverwertbarkeit

Annette Hillebrandt, Professorin an der Bergischen Universität Wuppertal, mahnte, die Wiederverwertbarkeit von Materialien beim Bau bereits von Anfang an mitzudenken. Auch abiotische Stoffe wie beispielsweise Sand seien endlich und teilweise bereits jetzt knapp, deshalb sei die Rückgewinnung von Baustoffen aus bestehenden Gebäuden wichtig. Hillebrandt forderte einen Gebäudematerialpass für jedes Gebäude, um so Urban Mining planbar zu machen. Die Dauerhaftigkeitsklasse des Holzes müsse zur Gebrauchsklasse passen. Die Wiederverwendung verbauter Stoffe müsse erleichtert werden, z.B. auch indem man auf den Einsatz von schadstofffreien Materialien setzt. Indem man etwa Holz „backt“ lässt es sich konservieren ohne zusätzliche Stoffe verwenden zu müssen.

Hillebrandt zeigte auf, dass eine auf Urban Mining ausgerichtete Architektur zwar die Gebäudeerrichtung um 10-15 Prozent verteuere, die Kosten insgesamt aber – den Rohstoff Gewinn am Ende des Gebäude-Zyklus mitgerechnet – um bis zu 30 Prozent sinken. Daher sei neben einer ganzheitlichen Planung auch eine ganzheitliche Kostenberechnung erforderlich wie sinnvoll. Für einen umfassenden Umwelt- und Ressourcenschutz reiche Recycling allein allerdings nicht aus, hierfür brauche es auch ein Umdenken hin zu weniger Konsum.

Eike Roswag-Klinge, Professor an der TU Berlin und natureplus-Mitglied, stellte als Architekt bei ZRS-Architekten und Ingenieure und als Leiter des Natural Building Lab ein Renovierungsprojekt einer Holzscheune vor. Die Scheune wurde komplett auseinander gebaut, sämtliche Teile erfasst, erneuert und anschließend wieder zusammengefügt. Dabei kam zu Tage, dass die Scheune selbst ein „Recyclinggebäude“ darstellte, bestehend aus wiederverwendeten Bauteilen einer vorherigen Konstruktion. Man müsse das Wissen früherer Jahre, wie beispielsweise über die Wiederverwendung von Holz wiedererwerben. Außerdem machte sich der Architekt stark für mehr Raum für Innovation und forderte, dass beispielsweise 5 Prozent aller Investitionen für Innovationen aufgewendet werden sollten.

Bauen in Ballungsräumen

Weitere Vorträge beschäftigten sich mit dem Thema Aufstockung. Gerade in den Ballungszentren lässt sich darüber dringend benötigter Wohnraum schaffen. Aufstockung in Holzbauweise bietet hier einige Vorteile, da die zusätzlichen Stockwerke auf bestehenden Gebäuden vergleichsweise leicht aufgesetzt werden können. Darüber hinaus lässt sich Dank Vorfertigung und Modulbauweise mit Holzbauteilen die Aufstockung schnell realisieren und damit die Unannehmlichkeiten für die Bewohnerinnen und Anwohner reduzieren. Das hilft auch Bauherren, denn tatsächlich fürchten Bewohnerinnen und Bewohner zusätzliche Belastungen durch Bautätigkeiten und eine größere Hausgemeinschaft und stehen Aufstockungen daher oft skeptisch gegenüber. Wichtig sei, ein gewisses Level an Aufstockung zu erreichen, so käme Aufstockung dann insgesamt in die Breite.

Holzbau in der Praxis

Professor Gerd Jäger von Baumschlager Eberle Architekten stellte das 2016 fertiggestellte Green Office Enjoy in Paris vor. Der Großteil des Gebäudes steht aufgebrückt über Bahngelände. Durch Holz-Hybrid Bauweise ließ sich 30 Prozent Gewicht einsparen, sodass zwei Geschosse mehr möglich waren. Insgesamt konnte durch die Hinzunahme von Holz als Baustoff ein wesentlich besserer CO2-Foodprint und damit eine klimafreundlichere Bauweise erzielt werden. Heiko Seenvon der HU-Holzunion präsentierte den Holz-Hybrid als wirtschaftliche und zeiteffiziente Systembauweise, veranschaulicht an einem Bauprojekt von fünf siebengeschossigen Holz-Beton-Hybrid Mehrfamilienhäusern in Erlangen, die in nur sieben Wochen errichtet wurden. Nötig dafür war eine gemeinsame Planung im Vorfeld unter Einbindung aller beteiligten Akteure. Ulrike Klar, Stadtdirektorin München, stellte die größte, noch im Bau befindliche Holzbausiedlung Prinz-Eugen-Park in München vor. Bauvergabe und städtische Förderung richteten sich auch nach der Menge eingeplanter und tatsächlich eingebauter nachwachsender Rohstoffe pro Quadratmeter Wohnfläche für das jeweilige Gebäude. Bis zu 56 Prozent CO2 konnten so gegenüber einer konventionellen Bauweise eingespart werden.

Am 22. November wurde in Düsseldorf der 12. Deutsche Nach­hal­tig­keits­preis verliehen.

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