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Projektbericht Glashütte Alt-Stralau

Wohnnutzung eines ehemaligen Werkstattgebäudes in Berlin - Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung wurden 2019 mit einem KfW Award in der Kategorie "Bauen im Bestand" ausgezeichnet

Auf der östlichen Seite der ehemaligen Glashütte konnte ursprünglich ein Verladezug das Werkstattgebäude unterqueren. Die Brückenbauten werden heute als Zugang zu Wohnungen und als Wintergarten genutzt. Foto: Udo Meinel

Die Spuren der Industriearchitektur setzen sich auch im Inneren fort: Mauerwerk, Stahlträger und Sichtbeton prägen die Wohnräume. Foto: Udo Meinel

Im Berliner Stadtteil Friedrichshain wurde 2018 eine außergewöhnliche Umnutzung realisiert: Die private Berliner "Baugruppe Glashütte Alt-Stralau" mit den Architekten Anita Eyrich und Christian Hertweck definierten hiermit Wohnraum in einer Industriefabrik komplett neu. Gegenüber des Bahnhofs Ostkreuz bietet nun ein ehemaliges Werkstattgebäude aus dem Jahr 1923 Raum für Wohnungen und Gewerbe. Es erfüllt dabei Qualitäten der Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung durch die Verwendung recycelter Baumaterialien sowie energieeffizienter Holzfaserdämmplatten der Firma GUTEX mit natureplus-Umweltzeichen.

Das alte Werkstattgebäude der Glashütte auf der Alt-Stralau Halbinsel im Berliner Bezirk Friedrichshain stand bereits kurz vor dem Abriss. Das 1923 von der Stralauer Glashütte Aktiengesellschaft erbaute 66 Meter lange Werkstatthaus war Teil einer Flaschenfabrik, in der bis 1997 Bier-, Wein-, Wasser- und Sektflaschen produziert wurden. Seitdem gab es kurzzeitige Zwischennutzungen für Ausstellungen und Konzerte. Für Investoren war das Gebäude trotz des gestiegenen Berliner Wohnraumbedarfs hingegen uninteressant, da sein Zustand hohe Investitionen verlangte. Baukosten, die sich allerdings lohnten: Zwischen dem Wasserturm am Ostkreuz und der Rummelsburger Bucht, zwischen Hausbooten und der Berliner Clubszene ist nach zweijähriger Bauzeit in der ehemaligen Glashütte ein Wohnhaus entstanden, das wegen seiner schonenden Sanierung und der Verwendung ökologischer, recycelter Baumaterialien hervorsticht.

Baudenkmal: Behutsam sanieren und dämmen

Im Zuge der Umbauarbeiten wurde ein komplett offenes Erdgeschoss geschlossen, beschädigte Gebäudeecken repariert und durchlaufende Fensterbänder freigelegt. Auch Schadstoffe wurden eliminiert und ökologisch nachhaltige Baumaterialien eingebaut. Unter Einhaltung des Denkmalschutzes war eine Außendämmung bei der Ziegelfassade nicht möglich. Erschwerend war ebenfalls die bestehende Stahlkonstruktion, die sich von der Fassade in das Innere des Gebäudes zieht und eine erhebliche Wärmebrücke darstellt. Um dennoch von den Vorteilen einer Fassadendämmung zu profitieren, wurden GUTEX Dämmplatten vollflächig auf die Innenseite der Außenwände geklebt. Mit ihrer geringen Dämmdicke gehören sie zu den beliebten Dämmlösungen in der Denkmalsanierung. Die diffusionsoffene, Kondensat tolerante Dämmplatte kann darüber hinaus bis zu 15 Prozent ihres Eigengewichts an Feuchtigkeit aufnehmen und geregelt wieder abgeben, ohne dass die Dämmwirkung beeinträchtigt wird. Neben der sehr guten Wärmespeicherfähigkeit und dem angenehmen Wohnklima hatte die innenseitig angeordnete Holzfaserdämmplatte auch bei der Montage besondere Vorteile. Der ausführende Verarbeiter konnte auf ein außenseitiges Montagegerüst für die Wanddämmung verzichten und witterungsunabhängig arbeiten. Summa Summarum ist bei fachgerechtem Einbau eine moderne Innendämmung mit Holzfaserdämmplatten eine sichere und ökologische Alternative zur Außendämmung der Gebäudehülle.

Anspruchsvoll und ausgezeichnet

Um den ursprünglichen Gebäudecharakter zu erhalten, wählten die Architekten dunkle rustikale Zinkfassadenelemente für die notwendigen Veränderungen und Ergänzungen im Erdgeschoss und am neu aufgestockten Dachgeschoss. Anspruchsvolle Detaillösungen befinden sich ebenso im Gebäudeinneren. Hier wurden nicht nur alte Bahnschienen, Stahlträger und Mauerwerke freigelegt. Auch die Verwendung von Sichtbeton in den Wohnbereichen und am Aufzugsschacht erinnert an die ursprüngliche Nutzung des Gebäudes. Die Grundrisse der insgesamt 24 Wohnungen mit 40-158 Quadratmetern, verteilt auf drei Ebenen, weisen flexible wie individuelle Gestaltungsmöglichkeiten auf – vom offenen Loft bis hin zum räumlich verdichteten Wohn- bzw. Arbeitsgrundriss. Im Erdgeschoss wurde neben einem Friseurgeschäft der Traum eines Autoliebhabers in Form einer Wohnwerkstatt erfüllt. 

Als weitere Besonderheiten gelten Zwischenebenen, eine Stahl-Spindeltreppe zu einer der vier Maisonette-Wohnungen und Wintergärten in den Brückenbauten, über die zwei Wohnungen mittels eines Treppenhauses erschlossen werden. Durch diese direkten Zugänge sowie einen inneren Laubengang war der Bau eines weiteren Treppenhauses nicht notwendig. Auch die historisch einfach verglasten Fenster mussten in diesem Teil des Gebäudes nicht verändert werden. Für die milden Raumtemperaturen der Wintergärten reichte eine nachträglich eingebaute Dämmschicht, ebenfalls aus Holzfaserplatten von GUTEX, im Bereich der Außendecke. Die Fenster in den restlichen Wohnbereichen hingegen wurden durch isolierte Doppelkastenfenster mit integriertem Sonnenschutz erweitert.

Auf diese Weise konnte die charakteristische Stahlstruktur des Baudenkmals Glashütte Alt-Stralau im Original erhalten bleiben und so auch den Erkennungswert der Halbinsel bewahren. Für den innovativen und zukunftsweisenden Umbau wurde das Projekt 2019 mit dem 2. Preis des KfW Award in der Kategorie Bauen im Bestand ausgezeichnet. Neben Kriterien wie kosteneffizienter Bauweise durch Wiederverwendung alter Baumaterialien und gesundem Wohnklima durch ökologische Baustoffe bewertete die Jury auch den Beitrag zum Klimaschutz und die harmonische Anpassung in die umliegende Bebauung.

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