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Gips oder Lehm?

Der Gipsbauplatte droht durch das Ende der Kohleverstromung ein Wegfall der Rohstoffgrundlage. Lehmbauplatten sind eine umweltfreundliche Alternative.

Referenzobjekt Reinbeckhallen, Zentrum für zeitgenössische Kunst in Berlin-Oberschöneweide. Fotos: Hart Keramik / Grubert Verhülsdonk Architekten / Studio Merk & Mark

Unter dem Titel „Bauen braucht Gips“ sorgten sich unlängst in einem öffentlichen Appell diverse Verbände des Trocken-, Aus- und Leichtbaus wegen dem bevorstehenden Kohleausstieg um die künftige Gipsversorgung. Im Zuge der Bemühungen, die CO₂-Emissionen zu verringern, wurde bekanntlich (nicht nur) in Deutschland der Ausstieg aus den fossilen Energieträgern beschlossen. Allerdings wird dann bald kaum noch Gips aus den Rauchgasreinigungsanlagen der Kraftwerke (REA-Gips) zur Verfügung stehen, der bisher für die deutsche Gipsindustrie die wichtigste Rohstoffquelle war. Mit dem Ausstieg aus der Kohleverstromung werde ein wichtiger Stoffkreislauf unterbrochen, der besonders im Interesse des heimischen Bauens liege, aber auch andere Wirtschaftszweige tangiere, und nun neu gedacht werden müsse - so die Vertreter der Trocken- und Ausbauverbände.

Besonders im Bauwesen werde aber nach Ansicht der Industrie der Bedarf an Gipsprodukten absehbar steigen, denn der Einsatz von Gips diene auch wichtigen gesellschaftlichen Zielen, etwa der Förderung nachhaltiger leichter Bauweisen und der sozialverträglichen urbanen Entwicklung und Wohnraumschaffung. Die Unternehmen der Gipsindustrie fordern daher, ausreichend Gips "aus heimischen Quellen" zur Verfügung zu stellen. Das bedeutet in ihren Augen, das Gipsrecycling zu forcieren, vor allem aber die Nutzung ortsnaher, regionaler Naturgipsvorkommen drastisch zu erhöhen. 

Damit begeben sie sich allerdings in Konflikt mit den Naturschutzverbänden, die eine Ausweitung des Naturgipsabbaus vehement bekämpfen. Diese empfehlen statt dessen, im Baubereich auf Alternativen wie Kalk und Lehm auszuweichen. Damit sehen sie sich im Einklang mit natureplus, das beschlossen hat, aus einer ganzen Reihe von Gründen, darunter auch der fehlenden Recyclingmöglichkeit, grundsätzlich keine Gipsputze zu zertifizieren. Auch bei der materialintensiven Gipsbauplatte gibt es natureplus-zertifizierte Alternativen, zum Beispiel aus Lehm. Diese glänzen nicht nur durch eine gute Ökobilanz, sondern haben auch andere Vorteile.

Simulation: Sommerwärme trifft auf Lehm- oder Gipskartonplatten

Echte Lehmplatten zur Innenwandverkleidung, die der DIN 18948 entsprechen, wirken sich aufgrund ihrer Materialeigenschaften positiv aufs Raumklima aus. Das liegt an der feuchteregulierenden Wirkung und der hohen Speicherfähigkeit von Lehm. Seit Generationen findet dieses Prinzip bereits Anwendung bei Stampflehmbauten oder Fachwerkhäusern. Erstmals hat jetzt die Firma Hart Keramik im Rahmen von dynamischen Simulationsrechnungen Lehm- mit Gipskartonplatten miteinander verglichen. Das berichtet der Brancheninformationsdienst Baulinks. Für die Simulation wurden eine typische Holz-Rahmen-Konstruktion und gängige Fenster mit Rollladen gewählt. In dem einen Fall kamen als Material für die Innenwände Lemix-Lehmplatten zum Einsatz - in dem anderen Fall Gipskarton doppelt beplankt. Gegenstand der Untersuchung war ein Zimmer im Dachgeschoss mit knapp 14 m² Grundfläche und einem Fensterflächenanteil von 30% der Raumgröße. 

Das Resultat der Untersuchung: Das Aufheizen des Raumes erfolgte bei Verwendung von Lehmplatten deutlich langsamer und die Raumtemperatur blieb 2 Kelvin unter der im Gipskarton-Raum. Bei einem vergrößerten Fensterflächenanteil von 40% wurde der Unterschied zwischen Lehmplatte und Gipskarton richtig evident. Dann seien die Vorschriften zum sommerlichen Wärmeschutzes ohne technische Hilfsmittel nur noch mit der Lemixplatte zu erfüllen - schlussfolgert Sven Eulenstein, Produktmanager bei Hart Keramik. In der Konsequenz müsste der Architekt bei Innenwänden aus Gipskarton oberhalb einer Fensterfläche von 30% eine Klimaanlage einplanen.

Lehmplatten für den Innenausbau in natureplus-Qualität

Die vielfältigen Vorteile von Lehm beim Hausbau sind seit Jahrhunderten anerkannt. Dem Baustoffhersteller Hart Keramik AG ist es gelungen, dem Material durch die Entwicklung der Lemix-Lehmbauplatte als Alternative zur Gipsbauplatte zu einer Renaissance im Innenausbau zu verhelfen. Das Produkt kann heute nach mehrjähriger technischer Weiterentwicklung mit hoher Passgenauigkeit im industriellen Verfahren hergestellt werden und benötigt nur noch dünne Putzschichten. Die Platte findet steigende Abnahme in den Bereichen Trockenbau sowie Holz- und Fertighausbau und wird gleichermaßen im Neubau und in der Althaussanierung eingesetzt. Die Platte ist geeignet für alle Innenbereiche: Wände, Decken, Dachschrägen, Trennwände im Holzrahmenbau, im Massivbau und in der Renovierung. Sie ist nicht brennbar, voll recyclingfähig und besitzt alle positiven gesundheitlichen Eigenschaften des Naturstoffes Lehm. Vor einiger Zeit erhielt die Lemix-Lehmplatte das Umweltgütesiegel „natureplus“.

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