natureplus besucht SKAIO-Holzhochhaus

In Heilbronn steht mit dem SKAIO das höchste Holzhaus in Deutschland - das Team von natureplus hat den innovativen und DGNB-zertifizierten Neubau besucht.

Das SKAIO-Holzhochhaus in Heilbronn. Alle Fotos: natureplus.

Uwe Trumpp von der Stadtsiedlung Heilbronn erklärt Tilmann Kramolisch und Thomas Schmitz die Eigenheiten des Gebäudes (v.l.).

Das Team von natureplus und vom natureplus Institute genießt den weiten Ausblick von der Dachterrasse (v.l.): Ilka Voß, Felix Konrad, Claudia Schaum, Heike Geißler, Tilmann Kramolisch, Thomas Schmitz, Martin Duve.

Zur Bundesgartenschau 2019 ist im schwäbischen Heilbronn unmittelbar hinter dem Bahnhof das neue Stadtquartier "Am Neckarbogen" entstanden. Highlight des Quartiers: Direkt am Eingang zum ehemaligen Heilbronner BUGA-Gelände erhebt sich ein 34 Meter hohes Holz-Hybrid-Haus mit insgesamt 60 Wohnungen in den Obergeschossen sowie Gemeinschaftseinrichtungen und Gewerbeeinheiten im doppelstöckigen Sockelbereich. Das so genannte SKAIO hebt sich von den umstehenden Neubauten schon alleine aufgrund seiner Höhe deutlich ab, es handelt es sich um das höchste Holzhaus in der Bundesrepublik. Entworfen wurde das Gebäude vom Berliner Architekturbüro Kaden+Lager im Auftrag der Heilbronner Stadtsiedlung, einer kommunalen Wohnungsbaugesellschaft, die etwa 4.000 Wohneinheiten im Bestand hat. Der Bau wurde nach DGNB Gold-Standard errichtet und unlängst mit dem DGNB-Diamanten für gestalterische und soziokulturelle Qualität ausgezeichnet.

Vorbild für nachhaltiges Bauen

Das Team von natureplus hat dem innovativen Neubau am Neckar im Dezember einen Besuch abgestattet und wurde vom Projektleiter Uwe Trumpp von der Stadtsiedlung kompetent und detailreich durch das Gebäude und sein "Innenleben" geführt.  Die Nachhaltigkeit dieses Gebäudes hat auch natureplus überzeugt. So wurden für den Bau gesunde und nachhaltige Materialien verwendet, die Konstruktion besteht überwiegend aus Holzwerkstoffen, die nach dem Prinzip "Cradle-to-Cradle" später rückgebaut und erneut verwertet werden können, und auch architektonisch wurde auf die Förderung des Zusammenlebens der Bewohner Wert gelegt. "Das SKAIO hat in mehrerer Hinsicht Vorbildcharakter", schlussfolgert deshalb natureplus-Geschäftsführer Thomas Schmitz.

Soziale Durchmischung

Auf insgesamt 10 Geschossen bietet das SKAIO auf einer Grundstücksgröße von nur 750 m² rund 3.300 m² Wohnfläche, aufgeteilt überwiegend in Ein- bis Zwei-Zimmer-Wohnungen mit 40 bis 90 m² Wohnfläche sowie einigen größeren Einheiten für Wohngemeinschaften für Menschen mit besonderen Herausforderungen. 25 Wohneinheiten sind mit öffentlichen Mitteln gefördert worden. Die Geschosse sind modular aufgebaut, so dass sich Wohnflächen individuell zusammenlegen und wieder trennen lassen, damit die Wohnungen für alle Altersstufen und Lebensphasen nutzbar sind. Um den so unterschiedlichen Bewohnergruppen Raum für ein Zusammenleben zu geben, wurde neben der großzügigen möblierten Dachterrasse im Sockelgeschoss ein geräumiger Gemeinschaftsbereich mit Waschmaschinen und Trocknern für das ganze Haus, einer voll ausgestatteten Küche für kleine Feste und einem Gemeinschaftsraum mit Flachbild-TV eingerichtet.

Konstruktion aus Fichtenholz

Die Konstruktion besteht überwiegend aus FSC-zertifiziertem Fichtenholz in Form von Brettsperrholz für die Decken und nichttragenden Wände sowie Brettschichtholz für die Stützen. Auch die nichttragenden Außenwände, die mit einer Außenwandbekleidung aus Aluminiumelementen ausgeführt worden sind, bestehen aus Brettsperrholz. Im statisch und brandschutztechnisch anspruchsvolleren Bereich kamen weniger nachhaltige Materialien zum Einsatz: Das Sockelgeschoss sowie der gebäudehohe Erschließungskern sind aus Stahlbeton gegossen und aus Stahl schließlich bestehen die Unterzüge, auf denen die Decken aufliegen. Die vorgefertigten Nasszellen wurden mit dem Kran eingesetzt und mussten nur noch angeschlossen werden. Aufgrund des hohen Vorfertigungsgrades entstand beim Bau von SKAIO pro Woche ein Stockwerk. Damit alle tragenden Elemente die Feuerwiderstandsklasse F90 und die notwendige Rauchdichtigkeit erreichen, wurden mehrlagige Bekleidungen aus Brandschutzplatten und spezielle Abdichtungen verwendet. Eine moderne Sprinkleranlage, die einen Wassernebel erzeugt, sowie spezielle Ventilatoren zur Schaffung rauchfreier Rettungsräume auf jedem Stockwerk waren zusätzliche Auflagen aus dem Brandschutzkonzept.

Thema Wohngesundheit

Auch das Thema Wohngesundheit war den Planern und der Stadtsiedlung ein wichtiges Anliegen: So wurden ausschließlich Baustoffe mit geprüfter Zusammensetzung verwendet, das betraf natürlich auch alle Ausbau-Baustoffe wie Kleber, Silikone und Wandfarben. Die Stadtsiedlung hat hierfür eine Positivliste erarbeitet, bei der eine natureplus-Zertifizierung der Materialien von Vorteil war. Nach der Fertigstellung wurde die Qualität der Raumluft gemessen und von einem Prüflabor untersucht. Der Innenraum ist geprägt von einer Kombination aus den drei Materialien Holz, Sichtbeton und Linoleum. Da das Holz den überwiegenden Teil der Konstruktion ausmacht, sind möglichst viele Holzelemente im Innenraum sichtbar belassen, was sich letztendlich auch ausgleichend auf das Raumklima auswirkt.

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