Charta für Holz 2.0

Auftaktveranstaltung in Berlin diskutiert Chancen für den Baustoff Holz beim nachhaltigen und zukunftsfähigen Bauen.

Podiumsdiskussion am 11.12. in Berlin, Auditorium Friedrichstraße. (Foto: natureplus)

Die Charta für Holz 2.0 wurde vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft ins Leben gerufen. Mit der gezielten Verwendung von Holz als Baustoff sollen Klimaschutz befördert, endliche Ressourcen geschont und die Wertschöpfung und Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Forst- und Holzwirtschaft gestärkt werden. Die Charta für Holz 2.0 bindet Experten aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft in einen umfangreichen Dialogprozess ein, an dem sich auch natureplus beteiligt. Bei der Auftaktveranstaltung am 11. Dezember in Berlin ging es um zukunftsfähiges Bauen und mögliche Lösungsansätze. Die Konferenzteilnehmer diskutierten entlang dreier Hauptthemen: Klimaschutz beim Bau, Urban Mining und Holzbau auf kommunaler Ebene. 

Klimaschutz beim Bau

Der erste Themenkomplex beschäftigte sich mit der Frage, wie Klimaschutz und Nachhaltigkeit beim Bauen gefördert werden und welche Instrumente Politik und Verwaltung auf Kommunal-, Landes, und Bundesebene einsetzen und (weiter) entwickeln können. Holz als CO2 bindendes und damit klimaschonendes Material sowie als vielseitiger Baustoff spielt dabei eine entscheidende Rolle. Konkrete Vorschläge zur Förderung des Holzbaus waren hier eine schnellere Genehmigung bei serieller Planung von Holzbauten oder auch geänderte Länderbauordnungen, die Holzbau bis zur Hochhausgrenze ohne Sonderbestimmungen ermöglichen. Der Übernahme von Nachhaltigkeitskriterien in öffentliche Ausschreibungen auf Bundesebene stand Lothar Fehn Krestas vom zuständigen Bundesministerium des Inneren kritisch gegenüber. Verfahren sollten durch noch mehr Anforderungen nicht weiter verkompliziert werden. Mit Blick auf klimafreundliches Bauen betonte er allerdings die zunehmende Bedeutung Grauer Energie, also jener Energie, die in der Herstellungs-, Bau- und Verwertungsphase eines Gebäudes benötigt wird. Eine ganzheitliche Lebenszyklusbetrachtung sei notwendig. Nachhaltige Baustoffe im Allgemeinen und Holz im Besonderen bieten hier erhebliche Energie- und CO2-Einsparpotentiale. Berücksichtigt wird dies in dem seit November 2018 vorliegenden Referentenentwurf des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) allerdings nicht. Auf Rückfragen des Bauwende e.V. und natureplus e.V. machte Lothar Fehn Krestas wenig Hoffnung auf eine Änderung des GEGs, welche diese Potentiale heben könnte. Er und andere Diskutanten sprachen sich für Förderprogramme, etwa seitens der KfW, aus. Diese seien in Verbindung mit Obergrenzen bei der Primärenergieemission beim Gebäudebau eine gute Möglichkeit, den Einsatz von Holz und nachhaltigen Materialien zu fördern.

Urban Mining

Inspirierenden Input gab Annette Hillebrandt, Architektin und Professorin für Baukonstruktion, Entwurf und Materialkunde an der Bergischen Universität Wuppertal zum Thema Urban Mining. Der große Nutzen von Urban Mining – Städte als Rohstofflieferanten – bestehe v.a. in der Möglichkeit Müll zu vermeiden. 54 Prozent der Abfälle in Deutschland gehen auf den Bausektor zurück. Professor Stefan Winter von der Technischen Universität München schätzt zudem, dass pro Bürger 490 Tonnen Baumaterial in Deutschland verbaut sind, die auf lange, mittlere oder auch kurze Sicht rückbebaut werden müssen. Annette Hillebrandt warb daher für eine Bauplanung, die den gesamten Lebenszyklus in den Blick nimmt. Gefragt sind Materialkreisläufe anstelle von Downcycling. Urban Mining ist dabei das Mittel Bauprodukte so zu wählen und einzusetzen, dass sie nicht nur weiter- sondern auch wiederverwendet werden können. Anfangen könne man bereits bei der nachhaltigen Einrichtung von Bürogebäuden, die im Schnitt alle 10 Jahre runderneuert werden. Holz und andere Materialien aus nachwachsenden oder auch mineralischen Rohstoffen bieten hier und im Gebäudebau insgesamt viele Möglichkeiten.

Holzbau kommunal

Ausgiebig diskutiert wurde außerdem, welche Chancen der Holzbau auf kommunaler Ebene bietet und welche Hindernisse dafür aus dem Weg geräumt werden müssen. Sabine Djahanschah, Architektin bei der Deutschen Bundesstiftung Umwelt DBU, stellte einige kommunale Leuchtturmprojekte für Sanierungs- und Neubau mit Holz vor, etwa das mit Holzfassade sanierte Betriebs- und Verwaltungsgebäudes der Remscheider Entsorgungsbetriebe. Viele Vorzüge des Holzbaus wurden offenbar, wie etwa kurze Bauzeiten, hohe Wertigkeit und Nutzqualität im Gebäude und Imagegewinn für die Gemeinde. Holzbau lässt sich hervorragend in lokale Nachhaltigkeitsstrategien integrieren und kann lokale Wertschöpfung durch Bezug des Holzes aus örtlichen Wäldern fördern. Viele Kommunen haben Interesse an nachhaltigen und innovativen Baukonzepten. Bei der Umsetzung sehen sich Kommunen allerdings mit vielen Hindernissen konfrontiert, etwa fehlender Erfahrung und mangelndem Know-how beim Holzbau. Knappe Personalausstattung erschwert es kommunalen Bauämtern, Nachhaltigkeitskriterien in öffentliche Ausschreibungen aufzunehmen. 

Hinweis auf natureplus-Services

Im entsprechenden Workshop wies natureplus-Mitarbeiter Tilmann Kramolisch auf die Unterstützung hin, die natureplus den Planern bietet. So stellt natureplus für städtische und private Planerinnen und Planer auf seiner Homepage Ausschreibungshilfen kostenlos zur Verfügung. Anhand der Ausschreibungshilfen lassen sich die Anforderungen an nachhaltige Bauprodukte transparent und einfach nachvollziehbar in Ausschreibungstexte verankern. Darüber hinaus bietet die natureplus-Datenbank ausführliche technische und ökologische Informationen und Prüfergebnisse für über 600 nachweislich nachhaltige Bauprodukte. Zur natureplus-Datenbank geht es hier.

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