ASBP-Konferenz 2018

Hochkarätige Referenten sorgten für einen großen Erfolg der diesjährigen ASBP-Konferenz zum Thema „Gesunde Gebäude“ in London.

Auch in diesem Jahr organisierte die britische Partnerorganisation von natureplus e.V., Alliance for Sustainable Building Produkts (ASBP), eine mit 150 Teilnehmern außerordentlich gut besuchte Fachkonferenz zum Thema Baugesundheit, bei der viele renommierte Experten referierten. Ziel der Konferenz war laut dem ABSP-Vorstandsvorsitzenden Gary Newman, Veränderungsprozesse anzustoßen und den Fokus der Industrie „von Kostensenkungen auf die Schaffung von Werten" zu verlagern. Dies sei in einer durch die Brandkatastrophe im Londoner Grenfell-Tower geprägten Zeit besonders dringlich.

Im Ergebnis war die Konferenz nach Einschätzung der Journalistin Hattie Hartman vom Fachmagazin The Architects` Journal für viele Teilnehmer inspirierend und erschreckend zugleich. Inspirierend, weil es großartige Präsentationen von Branchenexperten mit einer Leidenschaft für Veränderung gab. Erschreckend, weil einmal mehr deutlich wurde, dass Gebäude im Allgemeinen und die Innenraum-Luftqualität im Besonderen weiterhin tiefgreifende und negative Auswirkungen auf unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden haben.

Die Kernbotschaften der zweiten „Healthy Buildings Conference und Expo“ des ASBP waren ein eindringlicher Weckruf über die gravierenden Gesundheitsprobleme aufgrund der schlechten Luftqualität – in Gebäuden sowie im Freien – und ein Aufruf an Fachleute aus der Baubranche, mit Medizinern zusammenzuarbeiten, um dieses Problem anzugehen.

Die alarmierendste Statistik, die von Keynote Speaker Stephen Holgate (Professor für Immunpharmakologie an der Universität von Southampton) zitiert wurde, besagte, dass die männlichen Fruchtbarkeitsraten in Großbritannien in den letzten zwei Jahrzehnten um 40 % gesunken sind. Das Bewusstsein für die Gefahren der Umweltverschmutzung im Freien, insbesondere die schlechte Außenluftqualität in London, hat zwar in den letzten fünf Jahren zugenommen, aber die Luftqualität in Innenräumen ist nach wie vor stark unterschätzt und fast völlig unreguliert.

Professor Holgate hat mit zahlreichen globalen Gesundheitsstatistiken das Problembewusstsein auf eine wissenschaftliche Grundlage gestellt, etwa indem er die Auswirkungen der Luftqualität auf Neugeborene und sehr junge Menschen untersuchte, sowie den jüngsten Anstieg von nicht-Zigarettenrauch-bedingtem Lungenkrebs aufzeigte. "Every Breath we Take", eine 2016 vom Royal College of Physicians (RCP) veröffentlichte Studie, fasst die bisherigen Ergebnisse zusammen.

Die Hauptquellen der Luftverschmutzung in Innenräumen sind danach Chemikalien aus Baumaterialien, Schimmel und Bakterien, Reinigungsmittel, Außenluft und Kohlenmonoxid. Ultrafeine Nanopartikel, die von mechanischen Systemen nicht herausgefiltert werden können und von Holgate als "chemische Trojaner" bezeichnet werden, haben sich danach als das Hauptproblem erwiesen. Holgate fordert eine Untersuchung der "totalen Körpergesundheitsbelastung" durch die allgegenwärtige Umweltverschmutzung. Dies ist eine Herausforderung, da die meisten Epidemiologen nur jeweils einen Schadstoff auf einmal betrachten.

Neben dem Hauptreferat von Stephen Holgate haben auf der ASBP-Konferenz sieben weitere Rednerinnen und Redner zu verschiedenen Themen gesprochen, beispielsweise den Nutzen von Grünflächen auf Gebäudedächern und Mangel an regulatorischen Rahmenbedingungen in der britischen Baubranche.

Zusammengefasst können die Resultate der Konferenz grob in vier Themenbereiche unterteilt werden:

•    Die Teilnehmer erkennen die Notwendigkeit, verstärkt Luftqualität zu messen und zu überwachen, um das Bewusstsein zu erhöhen und politische Veränderungen voranzutreiben
•    Eine bessere Innenraumqualität entsteht durch stärkere Verbindung mit der natürlichen Umwelt (Pflanzen, Gründächer, Landschaftsgestaltung)
•    Die Raumluftqualität muss dringend verbessert werden durch Vermeidung der Toxizität von Baustoffen und Feuchtigkeitskontrolle
•    Für den öffentlichen Beschaffungsprozess gilt: Reduzierung des CO2-Fußabdrucks, verstärkter Einsatz von zertifizierten Produkten und Gebäude-Zertifizierungen, Gesundheit und Nachhaltigkeit müssen über die ganze Lieferkette überwacht werden.

Insgesamt bleibt festzuhalten, dass das Thema gesunde Gebäude nach wie vor schwierig zu steuern ist, dies gilt insbesondere für den Ausschreibungsprozess. Aber das Thema gewinnt allmählich an Zugkraft.
 

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